KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

05.03.2008 um 09:10 Uhr

ein soziales und politisches MENETEKEL!

zum sozialen frieden in der gesellschaft gehört eine gesunde, selbstbewusste mittelschicht. sie ist weitgehend immun gegen radikale thesen und stützt in einer art konsens die ausgleichenden kräfte. politische verlässlichkeit zu etablieren, bedeutet, den mittelstand zu stärken - er ist der tragende pfeiler des sozialen und wirtschaftlichen friedens.

wie aber sieht es mit der mittelschicht in deutschland aus?

die zahl der menschen, die über ein mittleres einkommen verfügen, schrumpft immer mehr. bezogen im jahr 2000 noch 62 prozent aller arbeitnehmer ein mittleres einkommen, so sind es heute nur noch 54 prozent.

das heisst: von den 49 millionen arbeitnehmern, die im jahr 2000 noch über ein mittleres einkommen verfügten, sind inzwischen fünf millionen die wirtschaftliche treppe hinunter gefallen und - sagen wir es, wie es ist - von armut bedroht.

diese zahlen, die jetzt vom DIW vorgelegt wurden, sind eine tragödie. sie beschreiben, dass der wirtschaftliche aufschwung in deutschland weitgehend an den arbeitnehmern vorbei gegangen ist - und noch mehr: dass steigende soziallasten immer mehr menschen in die armut treiben.

ganz abgesehen davon, dass vor allem familien mit kindern betroffen sind, bedeuten die zahlen ein menetekel für wirtschaftliche gesundheit, soziale sicherheit und demokratie.

unsere gesellschaft ist akut vom auseinanderbrechen bedroht. wenn die alles tragende mittelschicht verschwindet und stattdessen eine kleine, einkommenstarke gruppe hier, eine grosse gruppe gering verdienender dort entsteht, zerbricht die gesellschaft in zwei unversöhnliche teile.

in so einem fall ist der soziale friede in akuter gefahr. zeichen dafür - nämlich härter werdende verteilungskämpfe und eine grösser werdende politische instabilität - erleben wir bereits.

wenn die mittelschicht verschwindet, kannibalisiert die gesellschaft in kürzester zeit. das kann selbst denen, die ganz vorn an den fleischtöpfen sitzen, nicht wirklich gleichgültig sein.

ich vermute allerdings, dass dies alles politisch gewollt war - man aber den bogen so sehr überspannte, dass am ende niemand mehr den neoliberalen geistern herr wird, die einst gerufen wurden ...


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