... flucht in den BUNKER - und kein ausweg!
man kann dies ja wirklich als absurd empfinden - ich meine: das eigene empfinden gegenüber manchen homepages und foren des internets. die absurdität stellt sich spätestens dann ein, wenn man sich fragt: bin ich so irre, um das ganze nicht zu verstehen .... oder ist das, was einem zuweilen im internet präsentiert wird, so irre, dass man es nicht verstehen kann.
als literaturwissenschaftler bin ich auf solche fragen vorbereitet (und wäre es noch besser, wenn ich auch noch das fach psychologie gewählt hätte):
die frage lautet schlicht: wem überantworte ich im kritischen abwägen die wahrheit, objektivität und lauterkeit?
das alles sich selbst an den hut zu heften, lässt zumindest bei einigen zeitgenossen ein schales gefühl zurück. sie hegen möglicherweise den verdacht, dass wir es selbst mit der wahrheit nicht zu genau nehmen könnten.
wahrheiten sind überdies zuweilen recht subjektiv.
wir sind - wenn wir es recht betrachten - im irrgarten eines mediums angekommen, das sich internet nennt. hier kann jeder seine identität entwerfen, gerade so, wie er es möchte, wünscht und als ideal fantasiert.
wer wollte ihm widersprechen ... oder anders gefragt: wer will ihm widersprechen. es soll doch jeder das tun, was er möchte. das internet als ein grosses narrenhaus ....
genau so kommt es mir seit langem vor.
wer genau hinhört, wird möglicherweise widersprüche entdecken. sie zu formulieren und kritik zu üben, bedeutet aber nur, dass sich der andere (der, der uns gegenüber steht) ein-igelt. das muss man verstehen. er befindet sich ganz plötzlich in einem öffentlichen diskurs. das heisst: er muss sich rechtfertigen, wo er eigentlich nur recht und billig etwas erzählen wollte (sein idealisiertes ich?).
niemand lässt es sich gern gefallen, öffentlich kritisiert zu werden. was im persönlichen gespräch möglich ist, wird im öffentlichen gespräch vollkommen unmöglich ...
manchmal!
denn wer mit offenen karten spielt, muss die kritik nicht fürchten. wer stets seine (!) wahrheit spricht, muss sich um den vorwurf der lüge nicht kümmern (was - nebenbei gesagt - eine unendliche entlastung unserer intellektuellen kapazitäten bedeutet).
"offenheit" ist jedoch die ausnahme. das medium internet lädt geradezu ein, sich idealtypisch zu entwerfen und darzustellen. man tut es unter verleugnung der eigenen person ...
schliesslich - und das ist die konsequenz aus allem - bleibt nur der bunker.
stellen wir uns nur einmal vor: ein schmächtiger brillenträger, rote haare, mit pickeln im gesicht erklärt sich im internet zum herzensbrecher aller mädchen. er wird - ich bin davon überzeugt - erfolg haben. aber nur, wenn er seine roten haare, die brille und die pickel verheimlicht. sollte ihm doch ein mädel auf die schliche kommen (und ihn womöglich gerade wegen der haare, pickel und brille mögen), wird er sich wahrscheinlich in einen bunker zurückziehen, der hermetischer ist als jede atomare betonburg.
so ist das mit den bunkern, der ehrlichkeit, der aufrichtigkeit.
übrigens: foren im internet funktionieren zuweilen wie unser freund.
aber doch nur deswegen, weil sie stets etwas falsches behaupten und eine fassade errichten, die den wirklichen fragen nicht standhält.
muss ich es noch sagen? unser rothaariger, bebrillter und einigermassen pickliger freund ist ein netter kerl ... er müsste nur endlich akzeptieren, dass er ist ...
... wie er ist!
