foren-schweine und darwinsche sackgassen!
es gibt sie - ohne sie würde kein forum im internet lange existieren. es geht um das sogenannte "forenschwein", an dem sich kritik, häme und spott abarbeiten. gäbe es das "forenschwein" nicht, würden die mitglieder alsbald übereinander herfallen und sich die augen auskratzen.
das "forenschwein" kanalisiert die aggressionen und gibt ihnen ein ziel. so ein "forenschwein" wird gern durchs forum gehetzt, wie weiland das schwein durchs dorf.
es ist eine altbekannte tatsache, dass gemeinschaften nicht ohne einen "feind" auskommen. zumindest aber brauchen sie einen aussenseiter, auf den sie ihre aggressionen, befürchtungen und ängste projizieren können.
in dörflichen gemeinschaften des mittelalters waren das die müller und schmiede. sie waren der bevölkerung - obwohl sie von ihnen gebraucht wurden - nicht geheuer. sie waren die aussenseiter. in afrika - spezieller: in kamerun - kommt den schmieden in den dörflichen gesellschaften bis heute eine strikte aussenseiterrolle zu. sie werden gemieden und - was noch gravierender ist - ihnen ist es verboten zu heiraten.
die erklärung dafür ist so simpel wie platt.
die müller mussten ihre mühlen abseits der dörfer auf einen hügel setzen, um die windkraft ausnutzen zu können. allein dieser abstand zur gemeinschaft machte sie zu sonderlingen, denen man nicht über den weg traute. das alleinsein in der mühle, abseits der menschlichen gemeinschaft, mag bei den müllern in der folge zu allerhand schrullen und sonderlichkeiten geführt haben. so entsprach der müller am ende dem bild, das man sich von ihm machte.
die schmiede mussten ihre werkstätten fern der menschlichen behausungen errichten. der umgang mit dem feuer war gefährlich und bedrohte die menschlichen behausungen.
der schmied wurde deswegen weitab vor die tore des dorfes verwiesen. damit war dann auch ein klassischer aussenseiter installiert. zudem arbeitete er mit dem feuer - was im volksglauben immer auch eine nähe zum teufel und der glutheissen hölle bedeutete.
manchmal gab es auch hexen in den dörfern. das waren die unverheirateten frauen, die am rande der dörfer lebten, weil sie sozial nicht integriert und anerkannt waren. ihr aussenseitertum mag ihre sinne geschärft haben. deswegen bediente man sich der hexen, wenn es um probleme ging, die mit normalem menschenverstand nicht zu lösen waren. gelang einer hexe das unmögliche, verstärkte dies aber nur die distanz. eine hexe musste doch mit dem teufel in verbindung stehen. anders konnte nicht erklärt werden, warum sie übersinnliche kräfte besass - und diese nicht immer zum wohl ihrer mitmenschen einsetzte.
aber irgendwie muss sich auch eine hexe wegen der schnöden ausgrenzung rächen.
und dann gab es manchmal auch noch einen behinderten im dorf. das war dann der narr, der von den kindern johlend mit dreck beworfen wurde.
müller, schmiede und hexen sind indes nicht das personal, das heutzutage die foren des internets bevölkert. narren gibt es allerdings auch dort.
also werden dem "forenschwein" alle eigenschaften angedichtet, die vormals den dörflichen aussenseitern galten.
eine menschliche gemeinschaft, so haben wir gelernt, kann ohne aussenseiter nicht existieren. damit stellt sie sich - gemessen am entwickelten sozialverhalten der tiere - auf eine sehr frühe und niedrige stufe der evolution.
der mensch - und nicht das schwein - markiert mit seiner steckengebliebenen sozialen entwicklung eine im darwinschen sinne "biologische sackgasse".
es ist ein verdienst der internetforen, uns diese erkenntnis wieder ins gedächtnis gerufen zu haben.
oder, mit jean paul gesprochen:
Nichts macht die Menschen vertrauter und gegen einander
gutgesinnter als gemeinschaftliche Verleumdung eines
dritten.

Bei uns im Forum stelle ich fest, dass es meistens einen gibt, der gerne provoziert und sich somit - zum Wohle der Gemeinschaft und zum eigenen Wohle - zum "Forenschwein" macht, das sich hetzen und anmachen lässt und dies genauso gern umgekehrt tut. Eine Zweckgemeinschaft also. ;-)