gefährliche VERLINKUNGEN im internet!
eine nicht eben erfreuliche erfahrung war es, als ich im frühjahr zur kenntnis nehmen musste, dass allein schon das VERLINKEN auf eine homepage mit strafrechtlich bedenklichen inhalten strafbar ist. damals ging es um einen link, den ich zu einer neo-nazi seite gesetzt hatte, auf der menschen muslimischen glaubens denunziert und verhöhnt werden.
ich fragte mich schon damals, wie es eigentlich möglich sein soll, im internet auf diese sachverhalte hinzuweisen, wenn man den beweis schuldig bleiben muss - weil man einen link nicht setzen darf.
ohne den link als beweis bleibt aber alles reine behauptung.
jetzt hat das landgericht münchen in einem anders gelagerten fall genau dies bestätigt - dass nämlich nicht auf eine homepage mit ungesetzlichen inhalten verlinkt werden darf.
der SPIEGEL fragt zu recht:
Was die Münchner Richter nicht erklärten: wie künftig noch eine umfassende und trotzdem rechtlich unbedenkliche Berichterstattung über kritische oder umstrittene Themenbereiche möglich sein soll.
ich fragte mich damals und frage mich noch, was daran strafbar sein soll, wenn man im internet auf strafbares hinweist? wenn darüber nicht mehr berichtet werden darf, wird sich vermutlich ungesetzliches munter und ungestört weiter ausbreiten können.
ist das der sinn des internets? ist es damit getan, bestimmte inhalte einfach totzuschweigen?
das kommt mir vor wie das verhalten eines kindes, das die augen schliesst und meint, deswegen nicht mehr gesehen zu werden.
ich habe den eindruck, dass - je intensiver sich juristen über das internet gedanken machen - dieses medium immer mehr zu einer veranstaltung für abmahner und abzocker wird. die einen (abmahner) berufen sich auf urteile der landgerichte und die anderen (abzocker) suchen nach lücken in gesetzestexten, um das internet für ihre angelegenheiten zu missbrauchen.
das alles ist um so schlimmer, weil die allermeisten juristen vom internet schlicht keine ahnung haben. was hörte ich eines tages, als ich einen rechtsanwalt wegen einer juristischen frage - das internet betreffend - konsultierte?
"ach gott, lassen sie mich doch damit in ruhe. ich weiss ja gerade einmal, wo sich der schalter zum ausstellen meines computers befindet!"

"ich habe den eindruck, dass - je intensiver sich juristen über das internet gedanken machen - dieses medium immer mehr zu einer veranstaltung für abmahner und abzocker wird. die einen (abmahner) berufen sich auf urteile der landgerichte und die anderen (abzocker) suchen nach lücken in gesetzestexten, um das internet für ihre angelegenheiten zu missbrauchen."
Dem möchte ich zustimmen - allerdings mit einer kleinen Einschränkung:
Ich habe nicht den Eindruck, dass sich Juristen Gedanken über das Internet machen, denn ihre Urteile sind oft von einer erschreckenden Unwissenheit und Gedankenlosigkeit.
Aber da sie sich nicht mit diesem Medium beschäftigen, wird ihnen das leider auch nie auffallen.
Das erinnert fatal an die Politiker, die ja auch hemmungslos Gesetze beschließen, von deren Auswirkungen sie oft nicht den blassesten Schimmer haben - schließlich sind sie ja selbst meist nicht davon betroffen.