KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

12.08.2006 um 20:11 Uhr

günter grass und die waffen-SS!

das geständnis kommt spät: günter grass war zu kriegsende als 17-jähriger der waffen-SS beigetreten. ob er zu diesem zeitpunkt - 1944 - wusste, welche verbrechen die SS begangen hatte, ist kaum denkbar. zudem befand sich die SS in auflösung und die schreckliche "blut und boden" ideologie war mehr oder weniger dem nackten überleben gewichen.

das geständnis von günter grass kommt zu spät. es beschädigt seine moralische integrität. andererseits: hätte er im chor mit franz schönhuber - der seine "schuld" auf üble weise relativierte - rufen sollen: "ich war - auch - dabei!"?

grass war 17 jahre alt, als er der SS beitrat. er wollte - das war der beweggrund, sich zum kriegsdienst zu melden - fort aus seiner familie. war es zufall, dass er der SS in dresden zugeordnet wurde? wahrscheinlich - denn sein eigentlicher wunsch war es, bei der kriegsmarine als u-boot fahrer zu dienen. entrinnen konnte er dem krieg nicht. er gehört zu der "betrogenen" kriegsgeneration, zum sinnlosen, letzten aufgebot.

das geständnis kommt spät. es mag günter grass wie ein böser traum vorkommen, dass er - der heute fast 80 jahre alt ist - als 17-jähriger der SS angehörte, der verbrecherischen, skrupellosen und mörderischen organisation des dritten reichs.

das geständnis kommt zu spät. günter grass hat sich stets gegen die verdrängung der deutschen kriegsschuld gewandt, hat aus guten gründen rechenschaft von denen gefordert, die "dabei" waren.

das geständnis kommt viel zu spät - aber es ehrt den menschen günter grass. er wollte seine biografie und sein literarisches werk nicht mit dem verschweigen - und mit einer lüge - zu ende bringen. er hat seine "schuld" gestanden ...

... eine schuld, mit der andere ohne grosse skrupel leben und ohne weiter nachzudenken zur tageordnung übergehen. günter grass hat sich nichts zu schulden kommen lassen und wird - in der zwiesprache mit dem, der er einmal war - heute nur noch den kopf schütteln.

keiner sollte sich angesichts des geständnisses von günter grass zum richter aufwerfen. er sollte sich vielmehr selbst fragen, wo er sich abwendet, nicht hinschaut, dinge geschehen lässt.

das geständnis von günter grass kam spät - aber doch nicht zu spät. denn es stellt an die nachfolgende generation die frage nach schuld, verantwortung und moralischer integrität.

können wir also so viel besser schlafen als günter grass in diesen tagen?


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