KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

08.03.2008 um 22:32 Uhr

heiraten ist (in münchen) - ein THEATER!

sollte es damals - in jenen 70er jahren in münchen - besonders beeindruckend sein, einem jungen studenten der germanistik zu erzählen, man habe einst die tochter von bert brecht geheiratet? nun, gut: bert brecht galt damals viel und stand in hohen ehren. ganze semester gingen damit dahin, sich dem "epischen theater" zu nähern.

gleichwohl: diese ehe hat es nie gegeben.

das theater beherrschte in jenen jahren - besonders in münchen - vor allem einer: fritz kortner. er war berüchtigt für seine strenge regie, konnte schauspieler (und noch viel mehr: schauspielerinnen) zum weinen bringen. niemand hat gezählt, wie viele nervenzusammenbrüche auf das konto dieses eitlen und genialen bühnen-tyrannen gingen.

fritz kortner hatte eine tochter ...

man muss (vielleicht) wissen, dass fritz kortner bis 1933 mit bert brecht eng zusammen arbeitete. dann gingen beide ins exil - bert brecht nach schweden, fritz kortner nach england.

es kann also sein, dass einem jungen schauspieler diese beiden heroen des deutschen theaters gleichermassen viel galten - die plötzlich aus deutschland verschwunden waren ...

... und nach 1945 zurückkehrten.

irgendwann wurde auch geheiratet.

warum es aber partout die tochter von bert brecht sein sollte, ist nicht wirklich zu verstehen. es war in wahrheit nämlich die tochter von fritz kortner, die der - nun nicht mehr so ganz junge schauspieler - heiratete ... allerdings blieb das ganze - so oder so - ein kurzes intermezzo.

in jenen jahren - den 70er jahren in münchen - war es wohl nicht besonders opportun, von fritz kortner zu sprechen, der in den kammerspielen ein unzeitgemäss autoritäres regiment führte ... wir erinnern uns: die nervenzusammenbrüche! er kam aus einer anderen zeit - man ignorierte ihn am besten ...

also hatte der schauspieler stattdessen (die wahrheit ein wenig verbiegend) die tochter von bert brecht geheiratet.

das klang viel besser - und im übrigen: was hätte ein junger student der germanistik, dem man auf solche weise imponieren wollte, dagegen schon einwenden können?


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