herr h. und seine ENTSCHULDIGUNGEN!
herr h. hatte eine besondere freude daran, seine arbeitskollegin, frau k. zu beleidigen. wenn er sie traf, rief er: "ach, da ist ja frau k. - die so dämlich ist, dass sie ihren kindern nicht einmal das kleine einmaleins beibringen kann!"
manchmal variierte er seine gemeinheiten: "ach, da ist ja frau k. - trägt man die haare jetzt so oder ist ihr friseur verstorben?"
seine fantasie, frau k. zu beleidigen, war grenzenlos ... und er freute sich, wenn andere kollegen über seine anzüglichkeiten lachten. das war grund genug, sich für frau k. immer neue beleidigungen auszudenken.
solches verhalten hat einen namen: MOBBING. davon wollte herr h. aber nichts wissen. für ihn war es nur ein mittel, heiterkeit und frohsinn unter seinen kollegen zu verbreiten.
als frau k. eines mittags in die kantine kam, wieherten ihre kollegen vor vergnügen, denn herr h. bemerkte laut und vernehmlich: "frau k. isst heute suppe, frau k. isst nur noch suppe, frau k. will nämlich ihre dritten zähne schonen!"
eines tages war das mass voll und der vorgesetzte von herrn h. ermahnte ihn, die beleidigungen gegenüber frau k. zu unterlassen. er drohte herrn h. sogar mit der kündigung und forderte ihn auf, sich bei frau k. zu entschuldigen.
zerknirscht suchte herr h. das gespräch mit frau k. und versprach ihr, sie niemals wieder zu beleidigen.
kaum war das geschehen, gratulierten die kollegen ihm und meinten voller bewunderung: "grossartig, lieber h., wie sie - ganz gegen ihre sonstige natur - über ihren schatten gesprungen sind und sich bei frau k. entschuldigt haben. das hat etwas mit grösse zu tun ... und wahrhaft aufrichtiger gesinnung!"
herr h. grinste und bemerkte: "wenn frau k. sich endlich einen friseur sucht und nicht weiter mit ihren zähnen klappert, war meine entschuldigung gewiss nicht umsonst!"
da lachten alle - und herr h. lachte am lautesten ...
