hühner auf der leiter!
die hühner von bauer theodor hatten eine besondere leidenschaft. abends, wenn sie - vor dem zubett gehen - auf der hühnerleiter zusammen sassen, war es ihr grösstes vergnügen, noch ein wenig zu gackern. am liebsten gackerten sie - immerhin, sie waren hühner - über die hähne und alles, was damit (liebesglück, liebesleid) im zusammenhang stand.
die hühner von bauer theodor hatten allerdings ein problem. auf dem hühnerhof lebte nur ein einziger hahn. eigentlich waren alle hühner damit zufrieden - nur abends, wenn sie auf der hühnerleiter sassen, regte sich ihr argwohn.
es konnte sogar geschehen, dass eifersucht unter den hühnern ausbrach. das jedoch sah bauer theodor gar nicht gern, weil eifersucht hühner daran hindert, fleissig eier zu legen.
das problem - um es kurz zu machen - war schlicht dies:
wenn ein huhn (abends auf der hühnerleiter) von seinem liebesglück gackerte, waren alle - aber auch alle - anderen hühner schwer beleidigt. sie fühlten sich in ihrem hühnerglück betrogen, weil ein hahn gefälligst dafür zu sorgen hat, dass alle hühner glücklich sind.
alle hühner - bis auf eines - wussten plötzlich, warum sie sich so schlecht fühlten: ihnen war das liebesglück versagt, das ihrer schwester so reich zuteil wurde.
eine ungerechte hühnerhof-welt!
besinnlicher ging es immer dann auf der hühnerleiter zu, wenn ein huhn von seinem liebesleid gackerte. dann spitzten alle anderen hühner ihre kleinen ohren und hörten genau zu. wenn - so dachten sie - der hahn dieses huhn nicht erhört hat, steigen doch ganz bestimmt die eigenen chancen, seinem herzen ganz nahe zu kommen.
es war zwar keinem huhn so recht deutlich, wer die glückliche sein würde. aber - so kicherten sie in sich hinein:
wenigstens schon mal eine rivalin weniger!
erzählte ein huhn von seinem liebesleid, kullerten dicke hühnertränen die hühnerleiter hinab. die hühner nahmen das unglückliche huhn fest in den arm, trösteten es mit den worten: "der hahn ist es nicht wert!" und seufzten insgeheim: "wie gut, dass es mich nicht getroffen hat!"
besonders einig waren sich die hühner immer dann, wenn eines von ihnen davon gackerte, vom hahn betrogen worden zu sein. denn davon wussten sie alle ein lied zu singen.
sie stiessen deswegen das huhn an und riefen (im chor): "erzähle uns doch bitte, wie es bei dir war!"
und wenn dann das huhn von ihrem betrogenen glück erzählte, seufzten und stöhnten die hühner vor lauter selbstmitleid und gingen am ende mit dem festen vorsatz zu bett:
nie wieder einen hahn auch nur anzuschauen!

liebes huhn glaube keinem hahne! nie und nimmer nicht!
oder .....?