ich war einfach mal WEG!
in letzter minute erinnerte ich mich: der dampfer ging ja schon in zwei stunden. ich war nicht faul, stopfte meine kleider in den koffer, raste zum bahnhof und erwischte gerade noch den zug nach bremerhaven. glück gehabt!
am kai spielte die kapelle "muss i denn ..." und viele hundert menschen standen dabei und winkten den passagieren zu. die standen oben an der reeling und genossen die stunde der abreise.
new york, hämmerte es mir durch den kopf, als ich als letzter den schalter der passkontrolle erreichte. könnte ich es noch schaffen - oder würde die BREMEN ohne mich auslaufen?
"sie sind aber verdammt spät dran", bemerkte der beamte und stempelte umständlich meinen pass. jetzt musste ich auch noch meinen koffer öffnen. ich hörte schon die schiffssirene - der letzte aufruf, an bord zu gehen. der zollbeamte nahm jedes hemd umständlich in die hand, als ob er die qualität besonders genau prüfen wollte. "baumwolle!" sagte ich - und er nickte. "bei baumwolle sind wir immer besonders kritisch" ... ich wusste: bremerhaven war der grösste einfuhrhafen für baumwolle. "aber es sind doch nur hemden", bemerkte ich ein wenig töricht.
das war meine aufregung. ich sah durch die fenster, dass einige hafenarbeiter dabei waren, die gangway vom schiff zu schieben. "ich muss jetzt leider meinen koffer schliessen!" rief ich, klappte den deckel zu und stürmte zur kaje, wo vor mir die BREMEN ("mein gott, wie schön!") in den himmel wuchs.
"auch nach amerika?" rief ein hafenarbeiter und legte einen finger an seine schwarze mütze. "dann mal nichts wie rauf!". noch einmal schoben sie die gangway ans schiff. ich nahm immer gleich zwei stufen auf einmal. "willkommen an bord!" begrüsste mich oben ein offizier der BREMEN. seine uniform blitzte nur so von goldenen tressen und kordeln.
und dann legte die BREMEN wirklich ab. ein aufschrei ging durch die menge - hier oben und dort unten. alles schrie und winkte: "auf wiedersehen, auf wiedersehen". zwischen kaje und schiff wurde das wasser immer breiter und schon nach wenigen minuten lag die BREMEN in der mitte der weser und wurde von schleppern einmal um sich selbst gedreht. als der bug richtung nordsee zeigte, ging ein zittern und vibrieren durchs schiff, die schrauben wirbelten schäumend durchs wasser und die BREMEN nahm fahrt auf.
bald schon waren die menschen im hafen nur noch kleine, schwarze punkte und die blasmusik, uns zum abschied, erreichte das schiff nur noch als verwehte töne.
fast hätte ich das schiff verpasst - aber nun war ich tatsächlich auf dem weg nach amerika.
ich war einfach mal weg ...
