KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

13.01.2007 um 21:41 Uhr

imaginäre bilder ...!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

ich bin einmal in marokko einem kleinen jungen begegnet. ich weiss nicht mehr, wo es war. wenigstens lief er mit kleinen, bunten ketten in der hand durch die strassen und bot sie den touristen an. sie sollten ihm auch eine flasche arganien-öl abkaufen, die er dabei hatte.

er streckte mir die ketten und die flasche hin. ich wollte weiter gehen. er lief aber hartnäckig hinter mir her. er sagte nichts, sondern zeigte nur fortwährend auf die ketten in seiner hand. er wurde mir nun wirklich lästig. also blieb ich stehen und sagte sehr laut und bestimmt:

„no!“

ich hörte ein gurgeln, das tief aus seiner kehle kam. der junge öffnete den mund und schloss ihn wieder.

er war stumm!

eine welle von mitleid erfasste mich. ich schnappte nach luft. mir wurde schwindelig. schweiss brach mir aus ...

. .. dann war ich ertrunken!

hier, im ksar von ait benhaddou beschloss ich, nur noch dieses eine mal die grosse tür aufzustossen, um in das halbdunkel zu treten, das marokko auch ist und alle zeit war.

in welchem der dämmrigen labyrinthe hatte sich nur meine zuversicht versteckt, die mich einmal in dieses land geführt hatte? in welche der dunklen räume hatte sich die lebensfreude zurückgezogen, die ich meinte, in marokko gefunden zu haben?

hatte sie sich nur verborgen - oder war ich der lächelnden lüge aufgesessen, die allgegenwärtig in marokko auf uns wartet?

wie konnte ich in einem land, das aus mangel und not besteht - und das im überfluss -, auf die suche nach der freude am leben gehen?

während ich durch den ksar von ait benhaddou lief, erkannte ich mit aller deutlichkeit, dass es stets die bilder in meinem kopf waren, die ich in marokko wiederfinden wollte. einige wenige facetten hatte ich auch entdeckt, die aber nur meinen vorgefassten vorstellungen entsprachen.

ich reiste also seit jahren durch ein imaginäres land, das nur in meiner fantasie vorhanden war! ausserhalb meiner vorstellungen begann die hitze, der staub, not, dürre, mühsal ...

ich hatte wohl mit meiner liebe zu marokko die menschen provoziert, mir MEIN, anstatt IHR bild des landes zu spiegeln! ich hatte - mit einem wort - immer nur von meinem marokko erzählt, anstatt still zuzuhören, um marokko zu begreifen!

(...)

ich erinnere mich an die gebückten frauen, - mit riesigen reisig-bündeln auf dem rücken! ich sehe sie auf den knien in ihren feldern. körbe voller datteln tragen sie nach hause und treiben einen störrischen esel an, der keinen schritt mehr weiter will. viele winken, wenn ich an ihnen vorüberfahre. manche hocken am strassenrand und sehen mir lange nach. ich denke an die alte frau, deren rücken so gebeugt ist, dass die wenigen haare auf ihrem kopf fast den staub von der strasse in der medina von marrakesch fegen. mit einen stock, fest in ihrer rechten hand, sucht sie sich einen weg durch das menschenmeer.

aber sie läuft doch nicht durch ein imaginäres leben in einem imaginären land!

sie tut nur das, was sie tun muss - bis zum ende ihrer tage: sich sorgen und mühen, arbeiten und vergessen ... denn vergessen müssen wir alle, um leben zu können.

diese frau in der medina von marrakesch ist kein imaginäres bild, von dem ich in einem augenblick der müdigkeit dachte, ganz marokko sei davon vollgestellt.

selbstverständlich bleibt sie für mich ein bild - aber doch nur deshalb, weil ich mit ihrem leben nichts zu tun und in ihrem leben nichts zu suchen habe.

bevor ich in ourzazate einschlafe, nehme ich mir vor, mit den grossen und manchmal traurigen bildern marokkos nicht mehr zu streiten, sondern sie fortan mit verwunderung, neugier, mitleid und staunen zu betrachten ...

SÜSSER TEE IN DER WÜSTE  

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenVicky schreibt am 13.01.2007 um 23:47 Uhr:Ich mag den Begriff Mitleid nicht! Mitgefühl wenn schon! Mitleiden kann niemand, der es nicht am eigenen Leibe durchlebt!

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.