KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

13.12.2007 um 09:12 Uhr

in bayern herrscht nun FRIEDEN ...!

nach dem kirchgang gehts ins wirtshaus. das war in bayern schon immer so. dort werden die grossen und kleinen fragen des miteinanders besprochen - "gegrantelt", wie der bayer sagt - und immer steht eine mass bier auf dem tisch.

der ochsensepp zündet sich ein pfeifchen an und der aloishuber zieht eine zigarre aus dem futteral. jetzt wird zuerst der neue bürgermeister ausgekungelt und danach über die regierung in oberbayern geschimpft. man erinnert sich voller wehmut an franz joseph strauss und lässt kein gutes haar an der "hergelaufenen landrätin" aus fürth.

blaue wolken bilden sich über den köpfen, die stimmen werden lauter, die wirtin schleppt neue masskrüge heran. jetzt ist auch der pfarrer eingetroffen. er hatte vor der tür seiner kirche noch ein wenig mit den frauen "geratscht", jetzt aber setzt er sich zu den männern. dort ist sein wahrer platz. die mass bier braucht er, um seine stimme wiederzufinden, die bei der sonntäglichen predigt gelitten hat. die ihm angebotene zigarre benötigt er, um abstand zu gewinnen von kirchengeläut und harten beichtstühlen.

blaue kringel malen sich in die luft, dem weihrauch ähnlich, der bei jedem gottesdienst durch die kirche zieht. als die wirtin abermals bierkrüge an den tisch schleppt, ist es in der wirtsstube schon so laut, dass niemand mehr sein eigenes wort versteht. plötzlich ist franz joseph strauss ein "lump" und die landrätin "eigentlich ganz nett". ochsensepp sammelt seine anhänger um sich, während aloishuber sich fragt, ob er sich auch dieses mal auf seine "freunde" verlassen kann.

es ist völlig klar, dass es zu streit kommen muss. viel zu unversöhnlich stehen sie sich gegenüber: die menschen aus dem oberdorf - und die aus dem unterdorf. sie würden auch niemals miteinander ins wirtshaus gehen ... aber leider gibt es nur dieses eine wirtshaus im dorf.

der pfarrer mahnt zur einsicht, aber es hilft nichts. "gerauft" muss werden. das gehört dazu, ohne handfesten streit ist ein sonntag in bayern nur halb so schön.

es sieht keiner, wer wen in den schwitzkasten nimmt. im nebel des zigarrenrauchs hört man nur ein ächzen und stöhnen und den satz: "du saulump, lump du, kruzefix, hier bekommst, was du brauchst".

der pfarrer schlägt das kreuz. das ist das zeichen zum aufbruch. ochsensepp steckt sein pfeifchen ein und aloishuber sein zigarrenfutteral.

alle verlassen - ein wenig schwankend, aber insgesamt unverletzt - das wirtshaus.

"pführt euch!"

der bayerische landtag hat gestern das bundesweit schärfste gesetz zum rauchverbot in wirtshäusern und bierzelten erlassen.

jetzt wird der pfarrer noch ein wenig länger mit den frauen "ratschen" müssen und die männer, allen voran ochsensepp und aloishuber, werden nach der kirche auf kürzestem weg (aber gewiss grantelnd) nach hause eilen.

es herrscht frieden im dorf ... ich aber füge an: es ist ein trügerischer friede!


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