KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

22.08.2007 um 09:14 Uhr

in den KLYKLADEN!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

1977 packte ich auch meine neue spiegelreflexkamera ein, als ich nach griechenland reiste. bewusst nahm ich nur schwarz-weiss-filme mit, denn die kykladen sind überreich an scharfen kontrasten, die in einer farbfotografie nur verwischen würden.

die weisse, kubische architektur in den kykladen ruft geradezu nach einer reduktion des bildes. es spielt auch keine rolle, dass das vorherrschende weiss immer wieder durch farbpunkte - blau, rot, gelb - aufgelockert wird. diese farben erscheinen in der schwarz-weiss-fotografie als dunkle punkte auf weisser fläche, erhöhen also den kontrast aufs schönste.

wie so oft: nach der reise fehlte das geld, um von den bildern abzüge zu machen. für einen studenten, der ich damals war, war die fotografie ein teures hobby.

also verschwanden die negative in einer grossen kiste. dort blieben sie, bis ich im letzten jahr beschloss, die negativfilme digital umzukopieren. das ergebnis ist HIER zu sehen.

ich war - um ehrlich zu sein - ein wenig enttäuscht. denn die qualität hatte im laufe der jahre sehr gelitten. dann allerdings erkannte ich, dass diese bilder aus ferner zeit gerade wegen ihrer patina besonders eindrucksvoll waren. wenn ich mir die bilder ansah, dachte ich an ein verkehrt herum angelegtes fernrohr, mit dem ich zurück in die vergangenheit blickte.

überraschend auch: die schiffe, die ich auf hoher see in der ägeis fotografierte, erlauben einen nostalgischen blick zurück. auf solchen "seelenverkäufern" - heute allesamt verschwunden - sind damals tausende von jungen leuten gereist. man vertraute sich ihnen mit grösster skepsis an, getrieben von der neugier auf ferne inseln und ganz besondere eindrücke. hatte man glück, geriet man an einen dampfer, auf dem abends zum essen gebeten wurde - an weiss eingedeckte tische.

lammbraten zu einem preis, den auch wir uns leisten konnten.

ansonsten rollte man seinen schlafsack auf dem oberdeck aus und schlief unter sternen.

griechenland erlebte in jenen jahren den ersten grossen ansturm von touristen. davon hatten die einheimischen indes wenig, denn die meisten reisenden waren jugendliche mit kleinem geldbeutel. sie schliefen am strand und assen den bauern - was nun wirklich ein frevel war - die weintrauben von den feldern weg.

auch dieses einfache leben gehörte zu den grossen kontrasten der kykladen. die kargheit der landschaft korrespondierte auf geheime weise mit der bedürfnislosigkeit der reisenden.

es entbehrt nicht der komik, dass so mancher "geheimtipp" von damals (z.b. armogos) heute eine überlaufene touristeninsel ist. eines haben sich die kykladen aber dennoch bewahrt: die unberechenbaren stürme, die den reisenden oftmals - länger als ihm lieb ist - auf den inseln festhält.

wenn keine fähre mehr kommt, sind die menschen auf den kleinen inseln im wind mit sich allein. vielleicht entsteht nicht zuletzt daraus - auch heute noch - der ganz spezielle, sonst nirgendwo anzutreffende zauber der ägeis.


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