islamistischer vormarsch in MAROKKO!
es ist mit händen zu greifen, dass sich marokko in einer zerreissprobe befindet. die knebelung der presse ist dafür ein sicheres indiz. immerhin war der junge könig vor nunmehr neun jahren angetreten, mehr liberalität und bürgerfreiheit in seinem land zu verwirklichen.
das alles ist längst dahin. der könig, als hüter des islam in marokko, sieht sich einer zunehmend einflussreichen islamististischen opposition gegenüber, die sein religiöses amt - wenn sie es ihm erst einmal auch nicht streitig macht - so doch daran misst, wie er es ausfüllt.
die islamisten, konservativ und der scharia verpflichtet, missbilligen jede liberalität und jeden demokratischen ansatz. sie wollen auch in marokko einen gottesstaat errichten. sie nutzen übrigens auch alle unruhen im land für ihre zwecke. die tragödie ist nur - der marokkanische könig lässt sich dafür auch noch instrumentalisieren.
wenn der könig weiterhin als oberhaupt der muslime in marokko agieren will, muss er - ob er es will oder nicht - zugeständnisse an die islamisten machen. er kann nicht gegen eine religiös-konservative stimmung im land regieren, ohne gefahr zu laufen, einfluss und macht zu verlieren. er muss - im gegenteil - die auf ganzer linie militanten, aber auch frömmelnden und rückwärtsgewandten religiösen strömungen kanalisieren und für sich nutzen.
das ergebnis - wir sehen es jeden tag - ist die zurücknahme von bürgerrecht und freiheit in marokko.
vor zwei jahren habe ich dies zum thema geschrieben:
meine reise, die mich in die landschaftlich schönste und kulturell
bedeutendste region marokkos geführt hat, neigt sich dem ende
zu. meknes und fes sind mit ihren umgebungen eine einzigartige, von
natur und menschenhand geformte kulturlandschaft, in die eine über
1000 jährige geschichte eingebettet ist. aus diesen beiden städten
empfängt marokko bis heute seine entscheidenden spirituellen impulse,
die aber - wir wissen es - durchaus zwiespältig sein können, wenn
es um religiöse inhalte geht. weil glaubensgrundsätze in der islamischen
welt immer zugleich auch politische aussagen sind, ist der dialog der kulturen
schwierig und manchmal ganz und gar unmöglich. marokko beschreitet,
was seine kulturelle und politische entwicklung betrifft, einen heiklen weg.
die vorsichtige öffnung nach europa ruft nämlich eine heftige,
islamisch geprägte reaktion hervor, und die muslimische geistlichkeit
marokkos verurteilt zuweilen den westlichen einfluss als verrat am islam.
der junge könig versucht einen drahtseilakt. er will sein land zum
westen öffnen und gleichzeitig die islamischen kritiker besänftigen
und ihnen beweisen, dass durch seine politik die islamische identität
marokkos nicht angetastet wird.
es ist mit händen zu greifen, dass es in marokko - trotz aller technischen
und wirtschaftlichen fortschritte - in den letzten jahren einen (zumindest
in unseren augen) konservativen rückschritt gegeben hat. ob die menschen
wirklich frömmer geworden sind, kann bezweifelt werden. allerdings
halten sie sich mehr als früher an die religiösen gebote - vor
allem auch an die regeln des ramadan.
diese religiös-konservativen wertvorstellungen sind vom königshaus
gewollt, stehen unter seinem schutz und werden nach kräften gefördert.
sie sollen garantieren, dass die islamistischen gruppen, die auch in marokko
aktiv sind, die herzen der menschen nicht erreichen. die felder von politik
und religion werden von der offiziellen politik des königs möglichst
lückenlos besetzt, um die marokkaner gegen die einflüsterungen
religiöser fanatiker zu immunisieren, die das land auf einen antiwestlichen,
radikal islamistischen kurs bringen wollen.
ob dem könig dieses kunststück gelingt?
