KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

09.04.2007 um 09:52 Uhr

kali anastasi!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

wer einmal die möglichkeit hatte, das orthodoxe Osterfest mitzufeiern - etwa in Griechenland -, wird dieses erlebnis nie wieder vergessen.


Ostern auf Kos

schon in der Osternacht kommen die gläubigen in den kirchen zusammen. es werden kerzen entzündet, so dass die gotteshäuser irgendwann ein meer aus lichtern sind. schliesslich stimmen die priester das „Christos Anesti - Christus ist auferstanden“ an. die gläubigen antworten „Alithos Anesti - Er ist wirklich auferstanden“. alle umarmen sich und tauschen ein „Kali anastasi“ aus, was übersetzt „gute auferstehung“ heisst. das osterlicht nehmen die gläubigen mit nach hause und markieren damit ein kreuz über ihren haustüren. traditionell wird in der Osternacht die Magiritsa gegessen, eine suppe mit den innereien des lamms, sowie hartgekochte, rotgefärbte eier. am Ostersonntag folgt dann die Souvla: das grillen eines osterlamms, bei der die ganze familie beisammen ist und freunde eingeladen werden. schafskäse, tomaten, oliven und selbstgebackenes brot sowie zuckersüsses gebäck gehören auch dazu. irgendwann erklingt der Bouzuki, zu dem ausgelassen getanzt wird.



wer Griechenland kennt und zum beispiel einmal auf den inseln in der ägäis war, kann nachempfinden, was Ostern den menschen bedeutet. ab November toben dort die stürme und es regnet an vielen tagen. die schiffe können die inseln oft nicht mehr erreichen. erst im frühjahr, das sehnsüchtig erwartet wird, endet eine lange zeit der isolation und kälte. es ist zum greifen spürbar, wie um Ostern herum das leben wieder beginnt.

2004 - aber auch 2007 - fiel unser Ostern mit dem der orthodoxen kiche zusammen. das ist aber nicht immer so, denn das orthodoxe fest richtet sich nach dem Julianischen Kalender und kann in manchen jahren erheblich von unserem abweichen.

während in der römisch katholischen und protestantischen Kirche im laufe der jahrhunderte das Weihnachtsfest immer stärker in den vordergrund rückte, blieb für die orthodoxe Kirche Ostern der wichtigste feiertag. er erreicht bereits am Karsamstag den ersten höhepunkt, wenn nach ihrem glauben Jesus in das totenreich hinab steigt, um die verstorbenen in sein Neues Reich zu rufen.

die gläubigen der griechisch und russisch orthodoxen Kirche bereiten sich lange und sorgfältig auf Ostern  vor. 48 tage dauert die „grosse Fastenzeit“, die am Karstamstag endet. in dieser zeit werden spezielle gottesdienste mit eigenen liturgien zelebriert, wobei der textanteil gegenüber dem gesang zunimmt.

welche texte und lieder es sind, ist streng reglementiert und im so genannten Typicon aufgeschrieben. da die liturgien aller gemeinden weltweit einheitlich sind, können sie von gläubigen unterschiedlicher sprachen ohne weiteres verstanden werden.



Ikonen, - also die bilder von christus, maria und anderen heiligen -, sowie weihrauch und kerzen dominieren die gottesdienste der orthodoxen kirche - und natürlich die gesänge, die als gebete verstanden werden. der gebrauch von instrumenten zur begleitung ist nicht gestattet.

besonders eindrucksvoll sind die vielen kerzen, die bei den gottesdiensten entzündet werden. ihr gebrauch ist ebenfalls im Typicon festgelegt. so beschäftigt sich das kapitel 24 „mit dem anzünden der kerzen an den herren- und gottesmutterfesten und kapitel 25 gibt anweisungen „über das tägliche anzünden der kerzen“.  die kerzen symbolisieren die erleuchtung des menschen durch das licht des Evangeliums. bei festen, in denen ein bestimmter gnadenerweis Gottes an den menschen in erinnerung gerufen wird, gibt es das Polyeleos - das hundertfache licht der kerzen.

gottesdienste der orthodoxen Kirche können viele stunden dauern. sie hinterlassen mit ihrer spiritualität und grossen andacht bei jedem, der sie einmal mit erlebt hat, einen tiefen eindruck.



Kali Anastasi!

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