khadija!
wenn es um die politik marokkos geht, sollten wir auch die nuancen bedenken - also die fast beiläufigen informationen, die aus dem königshaus dringen.
vor einigen tagen wurde die jüngste tochter des königs geboren. die eltern nannten sie khadija. warum sie diesen namen wählten, schien bald klar zu sein. immerhin hiess die - früh verstorbene - grossmutter so. ihr ein ehrendes andenken zu bewahren und deswegen der enkelin ihren namen zu geben, lag auf der hand.
jetzt aber meldete sich das königshaus in rabat zu wort und wies darauf hin, dass der name khadija auf die frau des propheten mohammed hinweisen soll.
nun muss man wissen, dass der marokkanische könig oberster wächter des islam in marokko ist. er verfolgt in dieser funktion einen gemässigten, religiösen weg - mit einer vorsichtigen öffnung des landes zum westen.
ein drahtseilakt, wie wir wissen.
es geht einerseits darum, den islam in einer weise zu reformieren, dass er den anforderungen einer modernen gesellschaft gerecht wird. andererseits gilt es, die auf traditionen eingeschworenen, konservativen muslime marokkos nicht zu verprellen.
die islamistischen parteien und gruppierungen haben auch in marokko grossen zulauf. es ist nicht zu übersehen, dass es in den letzten jahren - vor allem nach den ereignissen vom september 2001 - einen konservativen ruck in der marokkanischen gesellschaft gegeben hat. mehr als je zuvor werden die islamischen gebote gerade auch von jüngeren menschen ernst genommen und streng befolgt.
es ist zu befürchten, dass diese, auf traditionen beharrenden muslime sich nicht mehr vom marokkanischen königshaus repräsentiert fühlen, sondern sich mehr und mehr den islamistischen parteien nähern, die eine strikte, religiös begründete islamische politik in marokko verwirklicht sehen wollen.
der könig muss also alles tun, um seine stellung als oberster wächter des islam in marokko zu behaupten und zu unterstreichen. er muss vor allem die konservativen und traditionalisten an sich binden. ansonsten könnte es zu einem langsamen machtzerfall kommen, an dessen ende eine rigide islamistische politik steht, die womöglich auch das königshaus in frage stellen würde.
wenn jetzt die jüngste tochter des königs ganz offiziell den namen der frau des propheten mohammed erhält, ist das nicht ein spontaner einfall, sondern ausdruck einer zielgerichteten politik.
sie will die konservativen muslime im land erreichen, die mit der modernen politik des königs versöhnt werden sollen. mohammed VI. betont auf diese weise das islamische fundament, auf dem das königshaus ruht und unterstreicht seinen anspruch, politik nach islamischen grundsätzen zu gestalten.
ich meine, dass der könig eine kluge entscheidung getroffen hat, als er seiner tochter den namen khadija gab. er nimmt damit den islamisten, die überall verrat am islam wittern, den wind aus den segeln und bindet eine teilweise verunsicherte muslimische bevölkerung wieder fester ans königshaus.
kritiker mögen darin allerdings den versuch des königs erkennen, seinen machtanspruch zu zementieren. es geht aber doch wohl eher darum, den fliehkräften in der gesellschaft wenigstens auf symbolische weise einhalt zu gebieten.
denn - wie gesagt: es ist noch nicht ausgemacht, in welche richtung sich die islamische politik marokkos entwickeln wird. es gibt ernste hinweise darauf, dass die islamisten auf dem besten weg sind, das land mit ihren vorstellungen zu dominieren.
was das für marokko bedeuten würde, muss nicht extra gesagt werden.
