kleine marokkanische anekdote!
moulay ismail war im 17. jahrhundert der fast unbeschränkte herrscher über weite teile marokkos. er bestimmte die stadt meknes zu seinem herrschaftssitz und baute die stadt zu einer gigantischen festung aus. er liess auch sklaven und sklavinnen aus dem sudan heranführen. sie mussten ihm kinder zeugen, die er - wenn sie männlich waren und erwachsen wurden - zu einer mächtigen armee ausbildete.
als einmal der französische gesandte bei moulay ismail zu gast war, wurde der diplomat zeuge, wie der marokkanische fürst einem untergebenen kurzer hand - und nur zum spass - mit dem schwert den kopf abschlug.
der franzose war entsetzt und protestierte. darauf erwiderte moulay ismail:
"in frankreich regiert ihr menschen - in marokko regieren wir tiere!"
... als
ich im dämmerlicht am tresen sitze, oliven knabbere und die erste flasche
bier ausgetrunken habe, kehrt meine heiterkeit zurück, die mir - ich
weiss nicht warum - im souk von meknes abhanden gekommen war. ich fragte
kalid:
„könnte es nicht sein, dass der leere raum zwischen den galaxien mit
leuchtendem sternenstaub angefüllt ist - von rot-goldener farbe, wie
sie die sonne hat, bevor sie hinter den horizont marokkos fällt? du
weisst doch - das ist die magische stunde, in der wir leichten sinns hoffen,
ozeane und kontinente zu überwinden - warum also nicht, getragen von
feinstem sternenstaub, auch die leere zwischen unseren herzen?“
als kalid mich schief ansieht, beeile ich mich, ihm ein neues bier zu bestellen.
als er gleich darauf einen olivenkern durch seinen fehlenden zahn abschiesst
und in hohem bogen ausspuckt, bin ich erleichtert: er hat nichts von dem
verstanden, was ich ihm sagte.
das machte mich - ich weiss nicht warum - an diesem abend ziemlich glücklich.
