lebensmittelvergiftungen!
die wirklich schlimmsten lebensmittelvergiftungen habe ich mir in marokko zugezogen. einmal war es ein "hamburger" (!) in agadir, mal ein rindfleischspiess in zagora und mal eine verdorbene coca-cola auf dem weg von fes nach marrakesch.
ich sollte also inzwischen darin geübt sein, die symptome zu erkennen und mich drauf einzustellen. indes: eine lebensmittelvergiftung ist so tückisch, dass sie uns in jeder beziehung lahm legt. nur gut, dass die erkrankung - so heftig sie auch ist - in der regel alsbald überwunden ist.
... in beni-mellal will ich meine reise für diesen tag beenden. ich
finde an der hauptstrasse auch bald ein hotel, in das ich mich für die
kommende nacht einmiete. ich lege mich aufs bett und ruhe mich aus. dann will
ich mir die stadt ansehen, von der ich aber weiss, dass sie kaum sehenswürdigkeiten
hat. sie liegt in einem weiten tal, das wegen des gemüse- und obstanbaus
bekannt ist. das wasser des mittleren atlas versorgt die felder im überfluss
und macht beni-mellal zu einem der grossen gärten marokkos.
schon die ersten schritte fallen mir schwer. mir tun die füsse und
beine weh - mir tut überhaupt alles weh. ich schleiche an den geschäften
der hauptstrasse vorbei und kann mir meinen zustand nicht erklären.
ich weiss nur, dass es keinen sinn hat, weiter zu gehen. also kehre ich ins
hotel zurück.
auch wenn ich mich vor einer stunde noch auf ein frisches glas bier und
eine tajine gefreut hatte, so ist mir inzwischen jeder appetit vergangen.
ich liege auf dem bett und erschrecke darüber, wie meine beine und hände
immer kälter werden. bald friere ich ganz erbärmlich und auch
ein pullover und zwei wolldecken ändern nichts daran.
als ich mich das erste mal übergeben muss, weiss ich, was passiert
ist. ich habe mir zum zweiten mal auf einer reise durch marokko eine schlimme
magen- darmerkrankung zugezogen. ich weiss auch bald, wie das geschehen
konnte.
ich achte in marokko immer recht genau auf das, was ich esse und trinke.
aber an diesem nachmittag hatte ich ohne weiter nachzudenken zur angebrochenen
cola-flasche gegriffen. ihr inhalt muss jedoch durch den ständigen
wechsel von hitze und kälte längst verdorben gewesen und zu einer
bakteriellen brutstätte geworden sein.
ich erinnere mich, dass ich einmal eine ganze reihe kleiner näpfchen
kondensierter milch mit nach marokko genommen hatte. sie liegen bei uns
- ungekühlt - in den regalen der supermärkte und sind (so ist
es auf der verpackung vermerkt) viele monate haltbar. als ich am zweiten
tag in agadir eines dieser näpfchen öffnete, kam mir eine üble,
braun stinkende flüssigkeit entgegen. das besondere klima marokkos -
dazu der extreme wechsel von hitze und kälte - hatte die milch in etwas
monströs giftiges verwandelt.
das zu den lebensmitteln in marokko - und wie wir mit ihnen umgehen sollten!
am frühen abend lege ich mich erschöpft ins bett und lösche
das licht. immer wieder falle ich in kurze, fiebrige dämmerträume,
zittere vor kälte und ohne unterlass am ganzen körper. unten im
hotel ist inzwischen die bar geöffnet worden, in der alkohol ausgeschenkt
wird. also höre ich das durcheinander von hundert stimmen, das betrunkene
gröhlen der gäste und ihr lautes lachen. das ganze schneidet mir
unerträglich in die ohren und ich frage mich immer wieder, wie es am
nächsten tag mit mir weiter gehen soll? so krank, wie ich mich fühle,
kann ich überhaupt nicht daran denken, weiter nach marrakesch zu fahren
- und bis agadir, wo ich in diesem zustand bestimmt am besten aufgehoben
wäre, sind es noch 800 kilometer.
ich fühle mich sehr allein.
nachts - es ist ein uhr - bricht die „krisis“ aus. ich muss mich heftig
übergeben und ein schrecklicher durchfall durchschüttelt mich. danach
ist das schlimmste überstanden. ich lege mich wieder hin, langsam kehrt
die wärme in meinen körper zurück und ich schlafe leicht und
ruhig bis zum morgengrauen. ich weiss: mein körper - er ahnt, dass
er mich in beni-mellal nicht im stich lassen darf - hat sich mit aller kraft
und in einem akt spontaner notwehr von einer krankheit befreit, die ihn am
nachmittag überfiel.
am frühen morgen signalisiert mir mein körper einige verhaltensregeln:
in der nächsten zeit nur tee zu trinken, trockenes brot zu mir zu nehmen
und ansonsten aufs essen ganz zu verzichten - dann bedeutet er mir (nichts
tut mir noch weh):
freie fahrt nach marrakesch.
