KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

06.02.2009 um 18:15 Uhr

marokkanische KISSENPYRAMIDEN! 6. und schluss

die geschichte ist LALE gewidmet

aus dem halbdunkel des gartens tauchte der oberkellner auf. ihn beleuchtete ein scheinwerfer, der gewöhnlich am swimming-pool stand, ihm aber jetzt vom hotelelektriker hinterdrein getragen wurde.

bei den gästen angekommen, schaute er ernst in die runde und sagte: „mein dams, mein herrns, wie soll ich sagen, wenn kamel passt nicht auf? kamel muss immer auge sein für unsere gäst ... immer! unsere lieb ilse hat heut gemacht schlimm malheur mit titan-ja. tut alles leid ... auch kamel. titan-ja will sagen ... pardon!“

der elektriker schwenkte den scheinwerfer in die tiefe des gartens und in seinem licht erschien - mit einem baströckchen gekleidet und einer schirmütze auf dem kopf, die an die amerkanische fahne erinnerte - titan-ja. sie tänzelte ein wenig auf ihren vorderbeinen und verneigte sich nach links und rechts.

haralds schwester liess ein kaugummi platzen: „wie süss!“

aus ilses gesicht aber war jede farbe gewichen. je näher ihr das kamel kam, desto mehr verwandelten sich ihre roten backen in ein mausiges grau und schrumpften zu faltiger starre.

„karim, was will das tier schon wieder von mir?“ schrie sie und hielt sich an den kissen fest, die sich wegen der heftigkeit ihrer gemütsbewegung besonders gefährlich zur seite neigten.

titan-ja liess sich nicht beirren. sie war im kreis der hotelgäste angekommen und hatte - so schien es mir - nur augen für ilse. titan-ja wartete auf ein zeichen und kreuzte in kleinen sprüngen die vorderfüsse.

ein kaugummi platzte. „wie süss!“

„titan-ja tut alles, was ich ihr sage!“ rief der oberkellner. „alles habe nur ich ihr beigebracht ...“ er griff nach einem stöckchen, das ihm im gürtel steckte und klopfte damit auf titan-jas vorderbeine. sofort bäumte sich das tier auf und und schien jetzt auch mir - so geheimnisvoll beleuchtet von den bengalischen lichtern - ein wirklicher titan zu sein.

"er hat ihr alles beigebracht - der oberkellner hasst mich", stöhnte ilse.

titan-jas beeindruckender auftritt wurde allerdings ein wenig geschmälert, weil das kamel just in diesem moment meinte, den schönen rasen des hotelgartens düngen zu müssen ...

„das gekräusel!“ flüsterte die mutter von harald.

titan-ja stellte die beine gerade und lief weiter in richtung von ilse, die ihre hände vors gesicht schlug und laut in die nacht hinein schluchzte.

„man sollte das tier nicht so quälen!", schüttelte haralds mutter den kopf. „ich finde es geil“ entgegnete ihre tochter.

ich wartete - dieses mal vergeblich - auf das platzen des kaumgummis.

als titan-ja bei ilse angekommen war, vergrub sie - ich traute meinen augen nicht - das maul in den locken ihres haars und streckte die zunge heraus, so als wollte sie frisches buschwerk rupfen und zu sich nehmen.

ilse schrie:

„dieses kamel ist verrückt - es will so schöne locken wie ich sie habe ... karim, ich will hier raus, wo ist der ausgang?“

karim schaute sich ratlos um und stotterte wie von sinnen: „ich weiss es im moment nicht, ich sehe ihn nicht. vielleicht hat man ihn verlegt?“

„dann muss es eben die reissleine sein!“ ilse gab dem sessel, in dem sie mit ihren vielen kissen thronte, einen energischen stoss und liess sich nach hinten fallen.

das sah gefährlicher aus, als es war, denn karim eilte ihr zur hilfe und fing sie, bevor sie hart auf den boden schlug, einigermassen geschickt auf.

der erschrockene oberkellner scheuchte titan-ja zurück in die dunkelheit des gartens und wollte ilse ebenfalls beistehen. sie lag aber schon in den armen von karim, blinzelte in den vergessenen scheinwerfer und fragte:

„nun sage mir bitte einer, was die leckere frikadelle zum abendessen enthielt - titan-ja jedenfalls war es nicht!“

ENDE

 


Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.