marokko und das TAMAZIGHT!
seltsam ist es schon, dass es um das TAMAZIGHT in marokko so still geworden ist. immerhin: das ist die sprache der berber, die schon in vorislamischer zeit in marokko zu hause waren.
mir scheint, als hätten die verfechter des TAMAZIGHTS nur eines im sinn: marokko aus dem verbund islamischer länder herauszutrennen.
warum?
das TAMAZIGHT, obwohl eine uralte sprache, ist europa näher als das arabische idiom. es weist in eine zeit, als marokko noch nicht von muslimischen - also arabischen heeren - bedroht und unterworfen wurde.
ein staat wie MAROKKO, der sich fest im sattel meinte, gab den befürwortern des TAMAZIGHTS einige freiräume. es entstand sogar ein königliches institut - mit der aussicht, dass das TAMZIGHT wieder eine anerkannte, gleichberechtigte sprache im land wird.
der wind hat sich inzwischen gehörig gedreht. nicht mehr der staatstragende islam in marokko scheint ein hemmnis auf dem weg in die moderne zu sein - es ist vielmehr der rigide, totalitäre islamismus, der das land bedroht.
ein islamisches land wie MAROKKO ist sehr wohl in der lage, westlichen investoren das land zu öffnen und selbst davon zu profitieren. ein islamistisches MAROKKO hingegegen würde gefahr laufen, sich zu isolieren.
der fokus MAROKKOS hat sich - so scheint es - weit nach rechts bewegt. für die befürworter des TAMAZIGHT gibt es keinen platz mehr. ihr ansinnen (grössere liberalität im land und öffnung zum westen) ist längst - aber doch nur unzulänglich - zur offiziellen, islamischen politik geworden. ihre positionen sind - unter dem preis der selbstaufgabe - von der amtlichen politik vereinnahmt worden.
es kann wirklich sein, dass der progressive impuls bis auf weiteres nicht mehr von den vertretern des TAMAZIGHTS kommt, sondern von den befürwortern eines gemässigt-liberalen islam.
MAROKKO rückt - so mein eindruck - nach rechts. deswegen ist das TAMAZIGHT zur zeit kein thema mehr.
dazu auch eine notiz von meiner homepage:
es wäre ein grosser irrtum, den nordafrikanisch-arabischen
raum als streng voneinander geteilte region - mit ganz unterschiedlichen
staaten - zu betrachten. trotz aller konflikte: ein marokkaner fühlt
sich immer auch in algerien oder tunesien "zu hause".
immer einmal wieder beherrscht das "tamazight" die debatte in europa
- viel mehr aber noch in marokko und algerien. das ist die berber-sprache
des rif, des atlas und des sous. die sprache ist - je nach region - im dialekt
eingefärbt und erstreckt sich von marokko über algerien bis nach
tunesien.
im prinzip können sich alle marokkaner, algerier und tunesier in
dieser sprache verständigen - allerdings unterscheiden sich die dialekte
erheblich - auch wenn sie letztlich varianten einer gemeinsamen sprache sind.
das tamazight ist die sprache der region, bevor die araber nordafrika
okkupierten, unterwarfen und den dortigen ländern ihre religion aufzwangen.
auch marokko (und algerien) wurde arabisch - und der islam (denn beides
gehört zusammen) staatsreligion.
aber gehören der islam und die arabische sprache wirklich untrennbar
zusammen?
in jüngster zeit gewinnt die debatte um das tamazight in marokko
(und algerien) neue bedeutung. eine nicht eben kleine gruppe von intellektuellen
fordert vom staat, das tamazight - also die urprüngliche und angestammte
sprache - gleichberechtigt neben die arabische zu stellen.
immerhin: das tamazight - so ihre argumentation - ist ausdruck der kultur
und tradtion des marokkanischen und algerischen volkes. alles andere -
auch die arabische sprache - sei den menschen (viel später) aufgezwungen
worden. inzwischen versteigen sich einige anhänger des tamazight
zu unhaltbaren thesen und bezeichnen das arabische - also die offizielle
sprache der beiden staaten - als sprache eines osama bin-laden und saddam
hussein.
das arabische sei eine sprache der tyrannen!
sie lassen (aus ideologischen gründen) die tatsache ausser acht,
dass das arabische zuerst einmal die sprache mohammeds und des korans ist.
oder wollen sie gar behaupten, die religion - der islam selbst - sei
tyrannei?
genau mit dieser frage sind wir einem - nur scheinbaren - intellektuellen
glasperlenspiel auf der spur!
in der tat ist für die anhänger des tamazight der arabische
einfluss in politik, religion und kultur eine einzige tyrannei.
es reicht ihnen nicht, dass zum beispiel der marokkanische könig
vor einiger zeit eine akademie für tamazight ins leben gerufen hat und
damit reformen in einem land anstiess, wo traditionell das tamazight immer
noch gesprochen - und verstanden - wird.
das alles ist ihnen viel zu langsam!
warum?
dafür gibt es nur eine erklärung. und darum leben die glühendsten
verfechter des tamazights auch nicht in marokko - sondern in europa (in
algerien verhält sich das ganze ein wenig anders, weil die debatte
dort - wegen der relativen abgeschlossenheit des landes gegenüber europa
- mehr intern geführt wird):
es geht ihnen - schlichtweg - um eine neue, andere (europäische)
politik in nordafrika.
marokko und algerien sollen aus dem verband der arabischen länder
herausgebrochen werden, denn das arabische ist den verfechtern des tamazights
gleichbedeutend mit rückständigkeit und autoritärer politik.
es geht ihnen also nur vordergründig um sprache und kultur. im wesentlichen
erwarten sie die rückbesinnung marokkos und algeriens auf seine wurzeln
- die nicht im arabischen, sondern im nordafrikanischen, mehr aber noch
europäisch-maurischen raum zu suchen sind.
es steht dabei auch nicht nur der arabische einfluss zur disposition,
sondern auch die religion - der islam. allerdings scheint dies eine nebensächliche
frage zu sein, die sich entweder von selbst erledigt, oder - freilich in
einem ganz anderen kontext (siehe türkei) - neu beantwortet werden
wird.
das alles erinnert an die koloniale politik frankreichs in algerien.
auch dort versuchten die franzosen mit ganz ähnlicher begründung,
einen keil zwischen die berber (die sie zum christentum zurückführen
wollten) und die muslimischen araber zu treiben.
das ganze blieb (politisch) ohne das gewünschte ergebnis, beeinflusst
aber bis heute die algerische politik.
wer "tamzight" als staatssprache fordert, will marokko und algerien auf
einen westlich-europäischen weg bringen - sowohl politisch, als auch
sozial, wirtschaftlich und kulturell.
ich enthalte mich an dieser stelle jeder bewertung - aber die befürworter
des tamazights sollten endlich sagen, was hinter ihren forderungen steht,
die sie - recht notdürftig - als "folklore" tarnen und maskieren.
