marrakesch - oder: DAS HERZ DER WELT!
der djemma el-fna platz in marrakesch ist sehr übersichtlich in kreisen organisiert. im äußersten kreis stehen die orangensaft-verkäufer. ihnen folgen die garköche. wenn sie ihre töpfe öffnen, schauen uns manchmal die trüben augen von rindern an und strecken ihre verkochten zungen heraus.
im innersten kreis turnen die akrobaten und bilden pyramiden aus menschen. der jüngste akrobat, in roten pluderhosen, klettert allen auf den kopf. dann streckt er, oben angekommen, seine arme aus, und während der akrobat ganz unten alle kräfte konzentriert, wirft er oben kusshände in die staunende menge.
es ist sehr übersichtlich auf dem djemma-el-fna.
ich hatte achmed gebeten, auf dem platz zu warten. ich wollte in den souk von marrakesch gehen, der gleich hinter dem platz beginnt.
ich schob mich mit vielen menschen durch die gassen. stehen bleiben konnte ich nicht, sonst hätte sich sofort ein knoten aus menschen gebildet, den keiner mehr gelöst hätte. ich ließ mich also treiben, mich anstoßen, zur seite drängen und schieben, immer tiefer hinein in den souk.
der souk in marrakesch ist sehr übersichtlich. auch er ist in kreisen organisiert. im äußersten kreis bieten die andenken-händler ihre waren an: gehämmerte messingschalen, gedrechselte schachfiguren, fein ziselierten silber-schmuck, bunt bemalte keramik ...
die menge der menschen schob mich aber immer weiter - in den innersten kreis, in das herz des souks von marrakesch.
kaum hatte ich die händlergasse verlassen, auf der sich die menschen drängten, und eine seitengasse erreicht, war alles wie zuvor: die erdfarbenen mauern, die geschmiedeten gitter vor den fenstern, die katzen, die auf den stufen zu den häusern saßen ... nur fand ich mich jetzt in äußerster stille wieder.
wo war ich angekommen?
ich trat um eine hausecke und blieb überrascht stehen. die gasse war ausgelegt mit teppichen. an den wänden der häuser hingen bunte kelims. in den kleinen geschäften links und rechts stapelten sich geknüpfte und gewebte teppiche. manche waren übersät mit allerlei tieren, andere hatten ein strenges ornament. in viele teppiche war eine nische hineingewebt, in die ein frommer muslim das knie beugt, um sein gebet nach mekka zu sprechen.
diese stille!
war dies das herz des souks von marrakesch? oder war ich geradewegs im herzen der welt angekommen?
ich beobachtete die marokkanischen teppichhändler, die in ihren kaftanen beieinander standen - ein bild, das vor mir gewiss schon viele andere gesehen hatten, und vor ihnen wieder andere und noch andere, bis zurück in abrahams zeiten. da standen die teppichhändler zusammen und ihre hände zeigten zum himmel, als erwarteten sie den, der sie tröstet und erlöst! ich war eingetreten in die geschichten der bibel, und obwohl ich wusste, dass sie hier nicht aufgeschrieben worden waren, lösten sie sich aus dem raunen der vergangenheit und flüsterten mir ihre wunder und wahrheiten ins ohr.
sehr verwirrt suchte ich den weg zurück zu den lauten straßen des souks. ich ließ mich drängen, schieben und stoßen, bis ich wieder den djemma el-fna erreichte.
achmed hatte mich bereits gesehen. „war schön? hast viel schlitzohr getroffen?“
dort oben, auf der pyramide aus menschen, stand immer noch der junge in seinen roten pluderhosen. er balancierte auf dem kopf seines kameraden und bemühte sich, das gleichgewicht zu halten. das war nicht einfach, denn gerade in diesem augenblick knickte einer der männer, der ganz unten stand, mit dem fuß ein und brachte die pyramide ins wanken.
sie schwankte gefährlich. da aber alle akrobaten ihr gewicht sofort geschickt verlagerten, stand die pyramide nach kurzer zeit wieder wie zuvor.
„hier machen marokkaner zirkus für touristen!“, bemerkte achmed abfällig.
ich aber sah nur den jungen, der hoch oben seine kusshände warf. und ich sah auch den akrobaten, der ganz unten stand und mit schmerzverzerrtem gesicht die ganze last zu tragen hatte.
achmed wurde ungeduldig: „was ist? gehst mit lachen in souk und kommst wieder so traurig!“
es wurde abend. ich hörte die dumpfen trommeln über den djemma el-fna dröhnen und sah den rauch der garküchen in den glühenden himmel von marrakesch steigen.
al-maghreb al-aqsa!
„ich bin nicht traurig, achmed! ich ahne nur, dass unser leben wie eine pyramide ist. wir müssen eben sehr acht geben, dass wir das gleichgewicht behalten! es kann aber auch sein, dass unser leben wie ein kreis ist, in dessen mitte wir nie ankommen.“
„das ist kein problem!“ er legte tröstend seinen arm um meine schulter. „es gibt auf djemma el-fna einen doktor, der hat salbe für alles!“
im innersten kreis turnen die akrobaten und bilden pyramiden aus menschen. der jüngste akrobat, in roten pluderhosen, klettert allen auf den kopf. dann streckt er, oben angekommen, seine arme aus, und während der akrobat ganz unten alle kräfte konzentriert, wirft er oben kusshände in die staunende menge.
es ist sehr übersichtlich auf dem djemma-el-fna.
ich hatte achmed gebeten, auf dem platz zu warten. ich wollte in den souk von marrakesch gehen, der gleich hinter dem platz beginnt.
ich schob mich mit vielen menschen durch die gassen. stehen bleiben konnte ich nicht, sonst hätte sich sofort ein knoten aus menschen gebildet, den keiner mehr gelöst hätte. ich ließ mich also treiben, mich anstoßen, zur seite drängen und schieben, immer tiefer hinein in den souk.
der souk in marrakesch ist sehr übersichtlich. auch er ist in kreisen organisiert. im äußersten kreis bieten die andenken-händler ihre waren an: gehämmerte messingschalen, gedrechselte schachfiguren, fein ziselierten silber-schmuck, bunt bemalte keramik ...
die menge der menschen schob mich aber immer weiter - in den innersten kreis, in das herz des souks von marrakesch.
kaum hatte ich die händlergasse verlassen, auf der sich die menschen drängten, und eine seitengasse erreicht, war alles wie zuvor: die erdfarbenen mauern, die geschmiedeten gitter vor den fenstern, die katzen, die auf den stufen zu den häusern saßen ... nur fand ich mich jetzt in äußerster stille wieder.
wo war ich angekommen?
ich trat um eine hausecke und blieb überrascht stehen. die gasse war ausgelegt mit teppichen. an den wänden der häuser hingen bunte kelims. in den kleinen geschäften links und rechts stapelten sich geknüpfte und gewebte teppiche. manche waren übersät mit allerlei tieren, andere hatten ein strenges ornament. in viele teppiche war eine nische hineingewebt, in die ein frommer muslim das knie beugt, um sein gebet nach mekka zu sprechen.
diese stille!
war dies das herz des souks von marrakesch? oder war ich geradewegs im herzen der welt angekommen?
ich beobachtete die marokkanischen teppichhändler, die in ihren kaftanen beieinander standen - ein bild, das vor mir gewiss schon viele andere gesehen hatten, und vor ihnen wieder andere und noch andere, bis zurück in abrahams zeiten. da standen die teppichhändler zusammen und ihre hände zeigten zum himmel, als erwarteten sie den, der sie tröstet und erlöst! ich war eingetreten in die geschichten der bibel, und obwohl ich wusste, dass sie hier nicht aufgeschrieben worden waren, lösten sie sich aus dem raunen der vergangenheit und flüsterten mir ihre wunder und wahrheiten ins ohr.
sehr verwirrt suchte ich den weg zurück zu den lauten straßen des souks. ich ließ mich drängen, schieben und stoßen, bis ich wieder den djemma el-fna erreichte.
achmed hatte mich bereits gesehen. „war schön? hast viel schlitzohr getroffen?“
dort oben, auf der pyramide aus menschen, stand immer noch der junge in seinen roten pluderhosen. er balancierte auf dem kopf seines kameraden und bemühte sich, das gleichgewicht zu halten. das war nicht einfach, denn gerade in diesem augenblick knickte einer der männer, der ganz unten stand, mit dem fuß ein und brachte die pyramide ins wanken.
sie schwankte gefährlich. da aber alle akrobaten ihr gewicht sofort geschickt verlagerten, stand die pyramide nach kurzer zeit wieder wie zuvor.
„hier machen marokkaner zirkus für touristen!“, bemerkte achmed abfällig.
ich aber sah nur den jungen, der hoch oben seine kusshände warf. und ich sah auch den akrobaten, der ganz unten stand und mit schmerzverzerrtem gesicht die ganze last zu tragen hatte.
achmed wurde ungeduldig: „was ist? gehst mit lachen in souk und kommst wieder so traurig!“
es wurde abend. ich hörte die dumpfen trommeln über den djemma el-fna dröhnen und sah den rauch der garküchen in den glühenden himmel von marrakesch steigen.
al-maghreb al-aqsa!
„ich bin nicht traurig, achmed! ich ahne nur, dass unser leben wie eine pyramide ist. wir müssen eben sehr acht geben, dass wir das gleichgewicht behalten! es kann aber auch sein, dass unser leben wie ein kreis ist, in dessen mitte wir nie ankommen.“
„das ist kein problem!“ er legte tröstend seinen arm um meine schulter. „es gibt auf djemma el-fna einen doktor, der hat salbe für alles!“
