marrakesch!
seit jahrhunderten ist marrakech eine der grössten städte
marokkos. hier gibt es alles! reich geschmückte moscheen, überdachte,
kühle souks, öffentliche bäder, cafés ... es gibt
zu essen, zu trinken, es gibt ... frauen!
es gab frauen und gaukler, wahrsager und theaterspieler. allen, die marrakech
erreicht hatten, musste die stadt wie der mittelpunkt der welt vorkommen.
hier gab es alles und noch mehr. hier hörten sie die geheimnisvollen
geschichten aus den entlegensten winkeln der erde, seltsames, unerhörtes,
niederschmetterndes, verheissendes ...
marrakech schien nicht nur der mittelpunkt der welt zu sein - marrakech
war es! denn hinter den stadtmauern begannen gleich die vertrockneten steppen,
türmten sich die berge in den himmel und die wüsten entgrenzten
sich.
die lehmmauern aber bargen alles, was das leben eines menschen mit sinn
erfüllt:
handel, geselligkeit, sättigung, ablenkung und sinnenfreuden ...
so ist es bis heute geblieben. trotz handy und satelliten-fernsehen glauben
die menschen den wahrheiten der welt erst dann, wenn sie von den lippen des
jemma el-fna kommen. erst seine worte bestätigen die richtigkeit allen
irdischen lebens!
weil aber das leben aus milliarden von stimmen, wünschen und
hoffnungen besteht, wird es auf dem jemma el-fna nie still. schreie und
gelächter, rufe und gebete steigen von diesem platz von früh bis
spät auf, vermischen sich mit den rauchschwaden der unzähligen
holzkohlefeuer und wehen am himmel marrakechs davon.
jetzt muss ich lachen! gerade ruft der muezzin
von der koutoubia-moschee. seine klare stimme erreicht auch noch das letzte
ohr - und dann hustet er. der arme hat sich erkältet. er hustet so
laut über den jemma el-fna, dass es sich anhört, als wäre
irgendwo ein blitz mit lautem donner eingeschlagen ...
