mit den kanarien-vögeln über den grossen teich!
da kamen die ahnenforscher dann doch ins grübeln: warum befinden sich in den auswanderungslisten des norddeutschen lloyds aus der ersten hälfte des 20. jahrhunderts so viele "vogelwächter".
waren die berufsbedingungen für vogelwächter in amerika etwa besser als in deutschland? kaum vorzustellen. die lösung des rätsels ist indes viel einfacher:
in sankt andreasberg im harz wurden seit altersher kanarienvögel gezüchtet. der grund: die bergleute nahmen die vögel mit in den schacht. wenn der sauerstoff knapp wurde, reagierten die tiere als erste. dann hiess es, das bergwerk so schnell wie möglich zu verlassen.
auch in amerika interessierte man sich für die possierlichen vögel - allerdings mussten sie dort keine schwere arbeit in bergwerken tun, sondern sassen in diversen wohnzimmern in ihren käfigen und erfreuten die menschen. die nachfrage war gross. 200.000 kanarienvögel kamen über den grossen teich nach amerika.
es gab allerdings ein problem: die vögel - recht empfindlich - vertrugen nicht den transport per bahn oder auto von sankt andreasberg nach bremerhaven. also steckte man jeweils 198 von ihnen in spezielle käfige, die sich "vogelwächter" auf den rücken schnallten, um mit den tieren zu fuss an die nordsee zu gelangen. das vertrugen die kanarienvögel weit aus besser und sangen auf dem langen weg munter ihre lieder.
damit ihnen aber auch auf der langen schiffsreise nicht die gute laune verging, blieb der vogelwächter bis new york an ihrer seite. in amerika fanden die kanarienvögel schnell ihre neuen besitzer und die vogelwächter reisten - mit leerem korb - in ihre heimat zurück.
wer sich eingehender über die auswanderung (nicht nur der kanarienvögel) nach amerika informieren möchte oder gar den spuren von ausgewanderten angehörigen folgen will, ist auf dieser homepage bestens aufgehoben.
