multi-kulti-durcheinander!
Von Anke Engelmann
Unsereins kennt sich ja nicht so aus mit dem Koran und so. Aber so viel
weiß man: Die dürfen kein Schnitzel essen und müssen dünnen Tee
schlürfen. Die Frau muss sich dem Mann beugen, viele Kinder kriegen und
unterm Kopftuch schwitzen. Und darf nicht mucksen, auch wenn der Mann
sie verprügelt. Die Frauen wollen das auch so.Das muss man
respektieren. Ist schließlich ihre Kultur.
So eine Haltung gibt es, nicht nur am Stammtisch, sondern in bürgerlichen Kreisen bis in unser Rechtssystem hinein. Jüngstes Beispiel: Eine aus Marokko stammende Frankfurterin, hier geboren und aufgewachsen, wollte sich mit ihren zwei Kindern nach schweren Misshandlungen von ihrem Ehemann trennen, ebenfalls ein Marokkaner. Die Richterin am Amtsgericht Frankfurt (Main) lehnte den Antrag auf Schnellscheidung ab. Begründung: Die Ausübung des »Züchtigungsrechts« begründe keine unzumutbare Härte. Denn: Im Koran steht's geschrieben, der Koran erlaubt es, glaubt die schriftkundige Gesetzeshüterin. Man müsse berücksichtigen, dass beide Ehepartner aus dem marokkanischen Kulturkreis stammen. Trotz Morddrohungen solle die junge Frau den Fall auf sich beruhen lassen, bis das obligatorische Trennungsjahr abgelaufen ist.
Gott bewahre uns vor so viel gutbürgerlicher Multi-Kulti-Naivität und wohlmeinendem Ich-war-auch-schon-mal-in-Marokko-Expertentum. Was für ein Signal sendet diese Frau an Muslimas, die sich aus einer gewalttätigen Ehe befreien wollen – der Schaden ist beträchtlich. Da sind mir die Stammtisch-Rassisten fast noch lieber. Bei denen weiß man wenigstens, woran man ist.
