nix verstehen ... in AGADIR!
man kann es nicht oft genug wiederholen: wer keine fremdsprachen beherrscht, sollte nicht ins ausland fahren. wie soll er sich dort eigentlich verständigen? hände und füsse wenigstens werden nur allzu oft missverstanden.
besonders muss natürlich vor einem urlaub in marokko gewarnt werden, wenn die sprachkenntnisse - also vor allem die des arabischen, aber auch französischen und marokkanischen - fehlen. man kann von einem pauschalurlauber, der für 14 tage "all inclusive" nach AGADIR fährt, schon erwarten, dass er die menschen dort in der landessprache anspricht. das ist auch ein gebot der höflichkeit - nebenbei gesagt.
ganz allgemein muss betont werden: wer in marokko wie die marokkaner spricht, bekommt den schönsten platz im restaurant, darf als erster in der schlange vorm bufet stehen, muss morgens nicht in aller frühe sein handtuch am swimming-pool deponieren, braucht sich nicht über tröpfelnde wasserhähne zu ärgern und bekommt täglich die BILD aufs hotelzimmer.
überhaupt ist es grotesk zu meinen, dass man ohne sprachkenntisse auch nur irgendetwas von land und leuten erfährt. vielleicht wird man noch übers wetter aufgeklärt ... aber sonst?
im café wird man nicht bedient. marokkaner bedienen keine touristen, die nicht wie sie sprechen. eine taxe bekommt man schon gar nicht. der taxifahrer könnte sich ja niemals verständlich machen, was so eine fahrt mit seiner taxe kostet. da lässt er den touristen doch gleich links liegen.
eine liege am strand - ja, wo sind wir denn?
wenn doch einmal ein marokkaner versucht, einem touristen zu erklären, dass so eine liege 20 dirham kostet und - um den preis deutlich zu machen - seine finger benutzt (1,2,3,4, usw.), kann er sicher sein, dass der tourist am ende empört erklären wird, dass er niemals 20 liegen am tag braucht.
bevor ein marokkaner die nerven verliert, geht er den touristen besser aus dem weg.
so ein tourist wird sehr einsam in marokko sein. verhungern wird er aber nicht, denn die einheimischen achten auf umher irrende europäer, die mit händen und füssen erklären wollen, dass sie nichts zu essen haben.
fatal wird es allerdings, wenn ein tourist, der fremden sprache nicht mächtig, krank wird.
mein gott, man sollte in AGADIR niemals krank werden.
klagt der tourist über magenschmerzen, fährt ihn die ambulanz in die neurologie. hat er kopfschmerzen, landet er bestimmt in der orthopädie. fehlt ihm gar nichts, wird er zur beobachtung in eine tagesklinik verfrachtet.
man sollte wirklich nicht davon ausgehen, dass einem solchen touristen alle wünsche von den augen abgelesen werden. in seinen augen steht nichts marokkanisches. zwar wird es immer wieder den einen oder anderen marokkaner geben, der dennoch das rätsel lösen möchte (denn marokkaner sind freundliche menschen). er forscht also in den augen des touristen, bis er ahnt ...
... der tourist sehnt sich nach ein wenig unterhaltung. also setzt er sich zu ihm, redet von gott und der welt, trinkt den tee des touristen, lobt das wetter, will den namen des hotels wissen, in dem der tourist wohnt, berichtet von seiner kranken oma und seinem onkel in ludwigshafen, erzählt, dass er ein armer mann sei, alle europäer aber unermesslich reich sind, lässt durchblicken, dass er sich im nächsten jahr einen mercedes kaufen wird und dass seine freundin in überlingen bereits das visum für ihn beantragt hat. er sucht nach den fotos seiner lieben uschi ...
und der tourist läuft schreiend aus dem café.
so ist das, wenn man keine fremdsprache spricht. man kann immer nur schreiend weglaufen ... aus lauter wut, nichts und niemanden wirklich zu verstehen.
und das ist in AGADIR - um nicht zu sagen: in ganz marokko - an der tagesordnung!
