KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

08.03.2008 um 21:23 Uhr

noch ein wort zu ALEXANDER VON HUMBOLDT!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

zitiert aus "kreuz und quer", 2004:

einer meiner besucher bei KREUZ UND QUER - swift - bemerkte in einem kommentar, dass in der neuerlichen würdigung humboldts dessen homosexualität einmal wieder fahrlässig übergangen wird. swift zitiert dazu theodor fontane, der schon ende des 19. jahrhunderts anmerkte, dass sich ein richtiges bild alexander von humboldts erst einstellen könnte, wenn dessen sexuelle präferenz mit bedacht wird.

rechtzeitig zum erscheinen der humboldt-edition hat hans-magnus enzensberger einen historischen lehrdialog zwischen humboldt und seinem pariser kollegen francois arago verfasst und veröffentlicht. humboldt sagt darin auch einiges zum deutschen nationalismus:

"Sogar mein Bruder meint, es fehle mir an 'Deutschheit', was immer das heißen mag. Aber ich finde, dass es nicht schade ist um unser Ancien regime. Wer wird all diesen lächerlichen Duodezfürstentümern nachtrauern, die uns zum Gespött Europas gemacht haben! Und im übrigen, ich gesteh' es dir gerne, bin ich lieber hier in Paris als in der Berliner Sandwüste. Du kannst dir nicht vorstellen, wie bigott und beschränkt die Leute sind, die dort das Sagen haben. Diese Monotonie, diese sumpfartige Stille! Einen Freund wie dich hätte ich in Berlin nie und nimmer gefunden."

es scheint, als möchte enzensberger humboldts sätze nur als politisches statement verstanden wissen. sie sind aber doch auch - und vielleicht vor allem - die abrechnung eines homosexuellen mannes mit einer engen, doppelmoralischen welt. wir dürfen uns die forschungsreisen humboldts nach südamerika und asien getrost als flucht vorstellen - aus einer puritanisch verklemmten gesellschaft, in der ein freier geist und homosexueller mann nie und nimmer leben konnte und wollte. dass er es schliesslich - älter werdend - doch tat, hat wohl etwas mit dem ruf an die berliner universität, mit seiner bruderliebe, der grosszügigen förderung durch den preussischen könig - und nicht zuletzt mit der deutschen sprache zu tun, in der er sein hauptwerk „kosmos, entwurf einer physischen weltbeschreibung“ schliesslich publizierte.



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