nofretete auf reisen!
an dem "geschäft" war erst einmal nichts auszusetzen: die europäer kauften in ägypten grabungsrechte und verpflichteten sich gleichzeitig, die antiken funde mit dem land am nil zu teilen. dass bei solchem "deal" auch manchmal allerhand bakschisch floss - nun, das gehörte damals zu den nicht weiter kritisierten usancen.
auf diese weise füllten sich die ägyptischen sammlungen in london, paris und berlin. ihnen haftet heute - bei aller legitimität der erworbenen kunstschätze - eine koloniale attitüde an. dies vor dem hintergrund, wie die europäer im 19. jahrhundert meinten, mit den ägyptern umgehen zu können. die vertragsverhandlungen wenigstens, die damals den grabungen voraus gingen, fanden nicht auf augenhöhe statt.
andererseits ist der hinweis nicht zu ignorieren, dass wertvolle funde in ägypten, wären sie nicht von den europäern gesichert und ausser landes gebracht worden, wohl für immer verloren gewesen wären. zudem sind noch heute die ägyptischen altertümer in kairo vollkommen unzureichend aufbewahrt.
jetzt verlangt ägypten die "nofretete" zurück.
sie ist das herz- und glanzstück der berliner ägyptischen sammlung. unterstützt wird der wunsch der ägypter von einer hamburger inititaive, die - eingedenk finsterer kolonialer zeiten - das motto ausgegeben hat: "nofretete geht auf reisen".
es ist allerdings nicht die rede von einer endgültigen rückgabe, sondern von einer verleihung auf unbestimmte zeit.
dagegen hat sich erheblicher widerstand gebildet. die büste sei zum einen viel zu fragil, um grössere reisen unternehmen zu können, zum anderen sei auch überhaupt nicht ausgemacht, was passieren würde, wenn die büste eines tages zurück nach deutschland gebracht würde. wütender protest in ägypten? kategorische weigerung der ägyptischen regierung, "nofretete" zurückzugeben?
schon anlässlich der debatten um den pergamon-altar und des parthenon-frieses habe ich geschrieben , dass es ein durchaus sinnvoller kompromiss sein könnte, die originale am inzwischen angestammten ort zu belassen, und an ihrem verwaisten platz in griechenland und der türkei kopien aufzustellen. dies würde auch dem umstand rechnung tragen, dass fries und altar wind und wetter ausgesetzt sind.
warum also die "nofretete" nicht in berlin belassen und ihre kopierte schwester - meinetwegen finanziert mit deutschen steuergeldern - in ägypten ausstellen?
wenn aber ägypten endlich in der lage ist, für seine altertümer einen adäquaten platz zu bieten - ein neues museum wird gerade (aber quälend langsam) unweit der pyramiden errichtet - wäre auch der umgekehrte weg denkbar.
auch museen globalisieren sich. wem früher nur die reise in die europäischen hauptstädte blieb, um sich über die ägyptische kultur zu informieren, fährt heute für nicht viel mehr geld an den nil, um sich vor ort ein authentisches bild zu machen.
behalten wir also "nofretete" vorerst in berlin und überlassen es den ägyptern, ihren ausserordentlichen antiken schätzen endlich einen konservatorisch angemessenen und würdigen ort zu geben.
dann sehen wir weiter ...
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