KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

07.11.2006 um 19:31 Uhr

petites bonnes!

"petites bonnes" - so werden in marokko kleine mädchen genannt, die von ihren eltern - oder vermittelt von agenten - in die häuser wohlhabender bürger gegeben werden, um dort küchenarbeit zu leisten.

das schicksal dieser mädchen ist in aller regel grauenvoll. nicht nur ihre arbeitskraft wird ausgenützt (sie arbeiten von morgens bis in die nacht), sie sind auch sexuellen übergriffen ausgesetzt und eine schulausbildung bekommen sie natürlich auch nicht. diese ausbeutung der "petites bonnes" ist in der marokkanischen gesellschaft strukturell verankert, weswegen das los dieser mädchen auch kaum - oder doch nur in zäher aufklärungsarbeit - zu ändern ist.

wenn den eltern ein mädchen geboren wird, heisst das: einen esser mehr am tisch zu haben, dem man später bei der hochzeit auch noch eine mitgift für den bräutigam bezahlen muss.

mädchen sind - um es salopp zu sagen - nicht besonders "rentabel".

in pakistan werden weibliche säuglinge tagtäglich in mülltonnen abgelegt. wenn sie glück haben, werden sie gefunden und in kinderheime gebracht. meistens aber sind sie tot. in indien hat sich ein ganzer ärztlicher erwerbszweig darauf spezialisiert, müttern schon vor der geburt per ultraschall wissen zu lassen, ob sie ein mädchen oder einen jungen zur welt bringen werden. ist es ein mädchen, wird es abgetrieben. in indien gibt es ganze dörfer, in denen junge männer leben - ohne eine heiratsfähige frau weit und breit.

in china führte die "ein-kind-politik" dazu, dass eheleute ein mädchen abtreiben - weil sie (wenn schon nur ein kind erlaubt ist) lieber einen sohn haben wollen.

in allen fällen spielt nicht die tradition - sondern die wirtschaftliche situation der eltern eine rolle. sie haben per se mühe, ein kind grosszuziehen. ist es gar ein mädchen, wird später noch die allzu teure mitgift fällig.

wir sehen: das problem ist nicht auf marokko beschränkt, sondern in den allermeisten entwicklungs- und schwellenländern anzutreffen. wenn diesen ländern - und das heisst: den menschen dort - nicht geholfen wird, ihre wirtschaftliche situation zu verbessern, wird es immer die "petites bonnes" geben.

im lichte dessen, was ich hier aufgeschrieben habe, können diese kleinen mädchen von glück sagen, dass ihnen "nur" dieses schicksal blüht.

das jedoch wäre zynisch!

mit religion jedoch, gar dem islam, hat das problem nichts - aber auch wirklich gar nichts zu tun.


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