philosophen ans GEWEHR!
natürlich ist es komisch, was bettina von arnim (1785 - 1859) schreibt:
auch
war es seltsam anzusehen, wie bekannte Leute und Freunde mit allen
Arten von Waffen zu jeder Stunde über die Straßen liefen, so manche,
von denen man vorher sichs kaum denken konnte, daß sie Soldaten wären.
Stelle Dir zum Beispiel in Gedanken Savigny vor, der mit dem
Glockenschlag 3 wie besessen mit einem langen Spieß über die Strasse
rennt....der Philosoph Fichte mit einem eisernen Schild und langen
Dolch, der Philologe Wolf mit seiner langen Nase hatte einen Tiroler
Gürtel mit Pistolen, Messern aller Art und Streitäxten angefüllt...bei
Arnims Kompagnie fand sich jedesmal ein Trupp junger Frauenzimmer, die
fanden, daß das Militärwesen ihm von vorn und hinten gut anstand....
savigny und fichte waren angesehene philosophen. man kann sie sich kriegslüstern und zu allem entschlossen kaum vorstellen. das alles ist auch nur vor dem hintergrund der napoleonischen kriege zu verstehen, die nicht nur preussen in die knie zwangen und - auch in preussen - eine erschütterung auslösten, die grösser kaum denkbar war. nach der besetzung durch napoleon stand preussen am abgrund. schlimmeres war nie geschehen. so ist zumindest zu verstehen, dass sich in dieser situation kampfesmut und patriotismus breit machten - in manchmal komischer weise, wie bei bettina nachzulesen ist.
ob man daraus aber ableiten kann, dass die gesinnung der deutschen vorrangig und zu aller zeit kriegerisch und rachdurstig war, sei dahin gestellt. unsere geschichte erzählt vieles: abgründiges, teuflisches und grausames. was bettina berichtet, nimmt sich dagegen harmlos aus und ist eher eine kuriose anekdote aus wie wohl finsteren zeiten.
