salman rushdie!
salman rushdie ist ein schriftsteller. er hat ein buch - SATANISCHE VERSE - geschrieben. er ist ein moslem. er wurde vom iran mit der fathwa bedroht - der todesstrafe. sein buch sei ketzerisch und würde dem islam schaden. das war die begründung.
nur - hat man das buch in der islamischen welt überhaupt gelesen? was ist so schrecklich daran, dass man es auf den tödlichen index setzen muss?
günter wallraff hat vorgeschlagen, aus dem buch in der kölner moschee zu lesen. wenn ich es richtig verstehe, will er seinen freund salman rushdie - den er bei sich vor den iranischen häschern versteckt hielt - vor ungerechtfertigten urteilen und angriffen in schutz nehmen.
er tut das aber nicht passiv - sondern aktiv. er sagt: hört zu, liebe muslims, was einer von euch schreibt - und lasst uns darüber sprechen. lasst uns kontrovers diskutieren, aber lasst es nicht zu, dass eine literarische stimme unter drohungen zum schweigen gebracht wird. urteilt selbst.
was ist daran schlimm?
warum empört man sich allerorten und tut so, als habe günter wallraff der kölner moschee und seinen repräsentanten vorgeschlagen, am gottgefälligen freitag ein schwein in ihren räumlichkeiten zu schlachten?
er will aus einem buch lesen. er will eine diskussion in gang bringen. er wirbt für verständnis, ohne die grenzen des verstehens zu missachten. er will - mit anderen worten - mit den muslims ins gespräch kommen.
... dort mit ihnen sprechen, wo sie sich treffen - in der moschee.
nein, nein! da soll kein schwein geschlachtet, noch der muslimische glaube verunglimpft werden. es soll allerdings eine probe sein (die dann auch): wie dialogbereit die muslims in deutschland und anderswo sind. literarische texte sind dazu - wenn sie nicht obszön, sittenwidrig oder amoralisch sind - eine gute grundlage.
es gilt das freie wort - hier wie dort. ich fürchte jedoch, dass es sich manche deutsche intellektuelle aus lauter vorauseilendem gehorsam einmal wieder verbieten lassen ...
wikipedia:
Auf mehrere Übersetzer des Buchs wurden Anschläge verübt. So wurde z. B. Hitoshi Igarashi – der japanische Übersetzer des Buches – ermordet, der italienische Übersetzer, Ettore Capriolo, schwer verletzt und der norwegische Verleger, William Nygaard, entkam nur knapp einem Mordversuch. Außerdem setzten radikale Muslime bei einem Protest gegen den türkischen Übersetzer ein Hotel in Brand, in dem 37 Menschen verbrannten.In Deutschland wagte kein einzelner Verlag, Die satanischen Verse zu verlegen. Gleichzeitig wurde es als Akt der Verteidigung der Menschenrechte gesehen, die Publikation sicherzustellen. Schließlich gründete eine Arbeitsgemeinschaft der deutschen Verlage einen neuen Verlag mit Namen „Artikel 19 Verlag“ (dem Artikel, der in der europäischen Menschenrechtskonvention das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zusichert), dessen einziger Zweck die Herausgabe der Verse war (ISBN 3-9802315-0-X). Im März 1997 erschien das Buch im Verlag Droemer Knaur als Taschenbuch (ISBN 3-426-60648-8
