sind marokkanische polizisten korrupt?
sind marokkanische polizisten korrupt?
vielleicht manchmal. jedenfalls befindet man sich stets auf "hoher see", wenn man in marokko mit der polizei zu tun hat. es kann so oder so ausgehen. manchmal reicht ein lächeln, manchmal ein heimlich zugeschobener 100 dirham-schein, manchmal hilft gar nichts.
keine frage: man kommt sich dabei saublöde vor.
es gibt gesetze, die entweder mit einem federstrich ausgehebelt werden oder denen auf besonders herrische weise zur geltung verholfen wird. man weiss das alles nicht. es bleibt dem zufall überlassen, wie es ausgeht.
man kann nur hoffen und lächeln ...
ein erlebnis dieser besonderen art habe ich in einem meiner reiseberichte notiert:
die fernstrassen sind auch in marrakesch nicht ausgeschildert. also muss
ich erst einige polizisten fragen, bis ich auf dem richtigen weg nach agadir
bin. als ich mich gerade entspannt im auto zurücklehne, weil es jetzt
nur noch geradeaus geht, winkt mich ein polizist freundlich, aber bestimmt
an den strassenrand. er lässt sich die zulassung fürs auto zeigen
und erklärt mir dann, dass es eine gurtpflicht in marokko gibt. weil
ich aber nicht angegurtet sei, müsse er eine verwarnung in höhe
von 400 dirham (40 euro) kassieren.
da er mich auf französisch anspricht, schaue ich ihn gespielt verständnislos
an und reiche ihm - jedes mal mit einem erleichterten gesichtsausdruck des
verstehens - erst meinen führerschein und dann, als er den kopf schüttelt,
auch den reisepass. das alles - ich ahnte es - interessiert ihn jedoch nicht.
was will er dann? ich habe nur noch die visitenkarte von monsieur haddou,
dem autoverleiher aus agadir. aber auch dieser scherz trifft auf kein lächelndes
verständnis.
stattdessen nimmt der polizist mit ernstem gesicht ein formularbuch zur
hand, auf das in grossen buchstaben „400 dirham“ geschrieben steht. jetzt
komme ich nicht mehr umhin, den grund einzusehen, warum die polizei mich hier
in marrakesch am strassenrand festhält, zumal die beamten immer wieder
am gurt meines autos herumfingern, um mir zu zeigen, dass ich mich beim autofahren
anschnallen muss.
eine kleine lüge bleibt mir, um die zahlung vielleicht doch noch abzuwenden.
ich erkläre den beamten, kein geld dabei zu haben. der polizist steckt
darauf hin meinen führerschein in eine ledertasche, die er sich seitlich
umgebunden hat und erklärt mir, dass ich ihn später - gegen die
zahlung von 400 dirham - beim kommissariat abholen soll, das auto aber stehen
lassen möchte - denn das fahren ohne führerschein koste in marokko
...
... ja, ich weiss: 400 dirham.
einen letzten versuch, ihn umzustimmen, wage ich noch. ich frage, warum
sie einem touristen, der schon so viele male in marokko war, diese probleme
machen. noch nie sei ich angehalten worden - aber ausgerechnet in marrakesch,
für mich („hören sie überhaupt zu?“) die schönste stadt
marokkos, passiert mir soetwas. das verstehe ich nicht!
ich argumentiere übrigens sehr eloquent, obwohl ich gar kein französisch
spreche. die konsequenz ihres verhaltens, („es tut mir leid, das sagen zu
müssen!“) sei klar: irgendwann werden alle touristen beschliessen,
nie wieder nach marokko zu fahren, weil es dort immer ärger gibt. die
polizei sei in marokko wohl nur deswegen unterwegs, um den touristen probleme
zu machen.
weil mir die beiden polizisten weiterhin aufmerksam zuhören, ergänze
ich noch (und tische ihnen damit eine faustdicke lüge auf): in deutschland
werde ein tourist höflich auf sein versehen aufmerksam gemacht, im
übrigen lasse die polizei ihn mit guten wünschen weiter fahren.
meine seltsamen argumente („die polizei sollte den touristen helfen, sie
aber doch nicht verfolgen!“), müssen die beamten beeindruckt haben,
denn sie geben mir meinen führerschein zurück und bedeuten mir
- mit knapper kopfbewegung, aber ohne noch ein wort zu sagen - weiter zu
fahren.
