sommerfrische!
heutzutage fährt man in den urlaub - oder in die ferien. kein mensch würde auf die idee kommen, von einer "sommerfrische" zu sprechen, in die er verreist.
das ist schade. denn das wort "sommerfrische" ist in meinen ohren besonders hübsch und verspricht erholung pur. gewiss, es ist ein wenig antiquiert und stammt noch aus einer zeit, als die mütter mit ihren kindern sommers aufs land (eben in die "sommerfrische") reisten, während der vater zu hause bei der arbeit blieb.
deswegen waren die "sommerfrischen" auch immer recht heimatliche ziele - bequem zu erreichen und besonders familienfreundlich.
klassische ziele der "sommerfrische" waren die nord- und ostseebäder, aber auch die bayerischen, schweizer und österreichischen alpen. in der "sommerfrische" blieb man in der regel nicht 10 oder 14 tage - sondern gleich den ganzen sommer über. wenigstens dann, wenn die kinder noch nicht schulpflichtig waren.
die "sommerfrische" war der gegenentwurf zu den engen, stickigen und ungesunden grosstädten. wer immer dazu in der lage war, sagte ihnen im juni, juli und august "adieu". wer es sich leisten konnte, erwarb zudem ein einfaches und praktisches domizil, das - ungeheizt - aufs hübscheste der "sommerfrische" diente und darum nur einige monate im jahr genutzt wurde.
wer weniger gut betucht war, quartierte sich und seine kinder auf dem bauernhof ein. die frische luft und das gesunde essen sorgten bald für rote backen.
man sieht: die "sommerfrische" ist ganz und gar zu unrecht aus der mode gekommen.
