KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

29.11.2007 um 09:11 Uhr

tante emma kann nicht mehr EINKAUFEN!

irgendwann in den 60er jahren des 20. jahrhunderts verschwanden sie aus den vorstädten: die kleinen "tante-emma-läden". der konkurrenzdruck der neu entstandenen supermärkte war zu gross geworden. die menschen kauften lieber im supermarkt ein, wo die butter 10 pfennige billiger war.

in den neu gebauten vorstädten, die auch deswegen nötig waren, um dem flüchtlingsstrom herr zu werden, hatten die planer sehr wohl an die nötige infrastruktur gedacht. dazu gehörten auch kleine läden, in denen die menschen - nah zu ihren wohnungen - einkaufen konnten.

das war aber bald nicht mehr wichtig, denn man setzte sich lieber ins auto und erledigte seine einkäufe im weiter entfernten supermarkt.

das war billiger.

die menschen, die in den 60er jahren in den vorstädten lebten, sind inzwischen 50 jahre älter geworden. ihr auto haben sie längst aus altersgründen verkauft und jeder grössere weg fällt schwer.

ein letztes mal bäumten sich die inhaber der "tante-emma-läden" auf, als sie das angebot machten, die waren auch ins haus zu bringen. weil dies aber mit kosten verbunden war, verzichteten die allermeisten auf diesen service.

heute sitzen die inzwischen 80jährigen in ihren wohnungen und sind ratlos. der weg zum nächsten supermarkt ist zu weit. die kleinen läden "um die ecke" gibt es nicht mehr. keiner ist bereit, ihnen das lebensnotwendigste ins haus zu bringen. gäbe es die "caritas" nicht, die einen grossen teil der älteren menschen betreut, würden die betagten bewohner wohl gar nicht mehr zu hause sein, sondern in einem altenheim leben.

die um 10 pfennige billigere butter zu kaufen, entsprach vielleicht dem gebot der vernunft. die kleinen läden in den vorstädten verhungern zu lassen, war indes reine kurzsicht.

und deswegen möchte ich heute auch keine jammerei von den älteren menschen hören, die nicht mehr wissen, wie sie das notwendigste zum leben einkaufen sollen. sie haben - der anfang liegt weit zurück - ihre lebensqualität selbst untergraben und zerstört.

dafür habe ich kein grosses mitleid.


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