terror im maghreb!
die jüngsten anschläge in algerien und marokko machen schlagartig klar, dass sich der islamistische (was für ein unwort!) terror nicht allein gegen den westen, sondern auch gegen die gemässigten, prowestlichen kräfte in nahost und im maghreb richtet.
die mehrheit der muslims - das sind die sunniten - ist nicht militant und gewaltbereit. sie versuchen vielmehr, wie in marokko, den islam mit westlichem fortschritt zu versöhnen. nicht nur das marokkanische königshaus weiss, dass dies eine heikle gratwanderung bedeutet. auch im maghreb gibt es genüged "gotteskrieger", die bereit sind, ihre vorstellungen eines islamischen gottesstaates mit gewalt und terror durchzusetzen.
mit fug und recht kann gesagt werden, dass die gewalt vor allem in kreisen der schiiten gepredigt wird, die im iran und irak zu hause sind. von dort aus hat sie sich nach afghanistan, aber auch nach syrien und libanon - ja, bis nach palästina ausgebreitet.
(ironie am rande: der sunnitische diktator saddam bekämpfte mit gewalt und terror die - zahlenmässig dominanten - schiiten im irak.)
und jetzt erreicht die gewalt unmissverständlich auch algerien und marokko.
man kann den eindruck bekommen, dass sich auf diese weise geschichte wiederholt. schon einmal - 1400 jahre zuvor - verbreitete sich der islam mit windeseile in der region, teils mit feuer und schwert, teils mit den besseren argumenten.
damals hatten sich die glaubensrichtungen noch nicht gespalten. heute indes scheint es so, als ob die sunniten - zahlenmässig viel stärker - dem terror ihrer schiitischen glaubensbrüder nicht viel entgegensetzen können.
wer es mit dem gespräch und dem argument versucht, hat schon verloren. gewalt hört nicht auf worte.
wenn die länder des maghreb es nicht schaffen, eine robuste zivile gesellschaft zu etablieren, wozu die trennung von staat und religion, chancengleichheit und wohlfahrt gehören, werden sie zwangsläufig immer stärker in den sog der gewalt geraten.
(ironie am rande: im fokus der gewalt in marokko steht casablanca. die prosperierende wirtschaftsmetropole ist von slums umgeben, in denen tausende von menschen unter erbärmlichsten bedingungen ihr leben fristen müssen.)
gewalt hört nicht auf worte. jetzt tut "ziviler widerstand" not.
was aber ist, wenn diese tugend nie geübt, nie verlangt - im gegenteil: über jahrhunderte hinweg bekämpft und erstickt wurde? das - scheint mir - ist das wirkliche und kaum zu lösende dilemma.
