unruhen in SIDI IFNI?
über SIDI IFNI, die stadt am atlantik im süden marokkos, habe ich HIER berichtet. die stadt hat viele potentiale, wirkt aber ein wenig verschlafen. nur wenige touristen finden den weg dorthin. dabei könnte sich SIDI IFNI durchaus zu einem zweiten essaouira entwickeln. der weite strand und die pittoreske stadt auf den felsen wenigstens sprechen dafür.
der hafen von SIDI IFNI ist klein und die fischerboote, die dort liegen, auch. zentren des fischfangs sind immer noch agadir und tan tan (bzw. layoune). weit bedeutsamer: dort hat sich auch eine fischindustrie angesiedelt, die den fisch gleich an ort uns stelle weiterverarbeitet. das wäre gewiss auch eine perspektive für SIDI IFNI. ich habe das in meinem reisebericht auch so beschrieben.
die stadt, nur im kern ein wenig restauriert, macht einen wirklich vergessenen eindruck. es ist deswegen auch nicht erstaunlich, wenn man jetzt folgende meldung liest. ich habe sie dem internet entnommen, kann sie zur zeit anhand der genannten quellen jedoch nicht weiter verifizieren.
//UPDATE:
hier die MELDUNGEN ... die von der marokkanischen regierung offensichtlich zurückgehalten werden. dazu ergänzend ein kommentar aus dem internet:
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Die
Marokkanischen Behörden sprechen von nur leicht Verletzten. Andere
Quellen sagen, dass es bis zu 8 Toten gegeben habe..... Ein Augenzeuge
berichtet heute am Telefon, dass er 5 Tote bestätigen könne.
Marokkanische Medien und offizielle Stellen unterdrücken bisher nach sattsam bekannter Manier, dass es, wenn es denn so ist, Tote gab! // |
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Fischer und Jugendliche blockierten seit Tagen die
Zufuhr zum Hafen von Sidi-Ifni. Sie protestierten damit gegen die enorm
hohe Arbeitslosigkeit und das Nichtstun der Behörden dagegen. Die
Behörden reagierten prompt und mit Härte. Es wurden eilends gegen 1000
Polizisten und Militärs angefordert. Diese gingen brutal (auch mit
Hunden) gegen die Aufmüpfigen vor. Mohamed Chafik, Chefarzt im Hopital
von Sidi-Ifni spricht von 44 Verletzten, das Centre marocaine des
droits humains (CMDH) spricht von einer schwereren Bilanz, bilanziert
gar zwischen 1-5 Toten!!
Anlässlich des kürzlichen Besuches vom M6
in Sidi-Ifni versprach dieser wirtschaftliche Hilfe für diese von Rabat
bisher krass vernachlässigte Region im Süden von Marokko. Die Jungen
und Fischer protestierten u.a. auch gegen das Nichtstun der Behörden
bezüglich Arbeislosigkeit und dagegen, dass die zugesagte
Fischverarbeitungsfabrik im Hafen von Sidi-ifni noch immer nicht gebaut
werde, die Wertschöpfung (Fische und Meeresfrüchte) also nach wie vor
weit weg von Sidi-Ifni erfolge. Die Jungen sagen, dass sie ohnehin
nichts mehr zu verlieren haben und es deshalb auch egal sei ob sie bei
Auseinandersetzungen für ihr Recht auf Arbeit sterben.
Quelle: Tagesschau TVE und AFP.

Tourismus in Sidi Ifni? Schwer vorstellbar, die haben große Wasserprobleme.
Sidi Ifni war die spanische Enklave im Süden, die als letztes in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Schon die Spanier hatten keine Freude an den Ait Ba´amran.
http://www.alertnet.org/thenews/newsdesk/L07196497.htm
http://www.aujourdhui.ma/instantanes-details62110.html
Die marok. Tageszeitung berichtet, dass über einen Polizisten, der bei den Unruhen einen Demonstranten getötet hat, die Fatwa verhangen wurde. Der Aufruf hierzu ist mit vollem Namen und Foto ausgestattet.
Mittlerweile ist es nichts Neues mehr, dass Islamisten mehr und mehr Verursacher von Trouble sind; auch die Ereignisse letzten Jahres in Ksar el Kbire gehen auf ihr Konto.
Hinzu kommt, dass Sidi Ifni eine beachtliche Kolonie an Sagaraouis hat (los turbantes negros), noch aus alten spanischen Zeiten. Wieviele Polisarioanhänger darunter sind, vermag ich nicht zu beurteilen.
Ich würde mir sehr wünschen, dass die Marokkaner aufwachen & sich selbst befreien von ihren Tyrannen!!!
- Bürgerkrieg mit ungewissem Ausgang (siehe unten)
- Militärregierung
- Islamistenregierung
- das Land platzt auseinander.
Das davor bis heute zurückgeschreckt wird, ist nachvollziehbar. Die möglichen Folgen könnten nämlich noch unerfreulicher für die nächsten Jahrzehnte sein, als der Beibehaltung des jetzigen Zustands. Einen Blick auf den Nachbarn Algerien gibt keinerlei Anlaß für wie auch immer gearteten Optimismus.
Es ist sehr leicht, aus dem bequemen Sessel in Deutschland gute "Ratschläge" zu erteilen. Etwas mehr Zurückhaltung wäre angesagt.
Was kann denn in MA noch schlimmer werden?
Zurückhaltung kannst du üben, ich bin für klare Worte ohne wenn & aber!
Was kann schlimmer werden? Der "Nichtbürgerkrieg" in Algerien hat über 100.000 Tote gefordert(und die hatten schon die Militärdiktatur). Was denn, wenn der in MA richtig ausbräche, arm gegen reich, Städte gegen das Land, Araber gegen Berber, Nord gegen Süd, ganz im Süden so´n bißchen Polisario dazu..... ! Und dann? Was ändert sich? Demokratisierung? Selbstbestimmung? Und all das bringt die Militärregierung oder die Islamistenregierung? Oder das Land knallt auseinander, mit einer unabsehbaren Vertreibungsorgie? Glaubst Du ernsthaft, dass südlich des Atlaskammes noch ein Arabophoner dort leben darf?
Die Marokkaner sind nicht dümmer als wir, die können sehr gut abwägen.