KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

14.11.2006 um 19:11 Uhr

vom vertrauen - und vom irrtum!

herr m. ist ein honoriger mann. er führte seine geschäfte seit vielen, vielen jahren. die firmenchronik berichtet, dass sein unternehmen im jahre 1860 gegründet wurde. es blieb allerdings nicht in familienhand, sondern wechselte im laufe der jahre die besitzer. sein unternehmen jedenfalls gehörte zur stadt, in der es angesiedelt war, wie die kirche und das rathaus.

ein stolzes unternehmen, zu dem - und das vor allem - ein geschäft gehörte, an dessen schaufenstern sich ganze generationen von kindern die nase platt drückten, während ihre eltern dort - spätestens zur weihnachtszeit - ihre einkäufe machten.

das gehörte ganz einfach dazu. das musste so sein. das geschäft von herrn m. war - zumindest in der weihnachtszeit - wie der kirchgang am heiligen abend und die bescherung der kinder. auf ihren tischen lagen dann die dinge, die herr m. in seinem geschäft verkaufte.

herr m. war stolz auf sein geschäft - und die reputation, die er in der stadt genoss. alle grüssten ihn, sogar der bürgermeister machte einen diener.

eines tages erschienen vor dem geschäft von herrn m. einige baukräne. es folgten bulldozer und betonmischmaschinen. dann wurde die strasse aufgerissen. herr m. fragte den bürgermeister bei gelegenheit, was das alles zu bedeuten hätte. der bürgermeister antwortete: "sanierung ... wir sanieren!"

die sanierung zog sich hin. im rathaus kam man - ganz plötzlich - auf den gedanken, auch noch einige häuser zu entkernen und zu passagen umzubauen.

als das weihnachtsfest heran rückte, stand herr m. in seinem geschäft und ... wartete. es erschien jedoch kaum ein kunde. das war kein böser willen. sie fanden einfach keinen weg, um zu herrn m. zu gelangen. die baugrube vor seinem geschäft war viel zu tief.

als das nächste weihnachtsfest kam, hatte sich an der situation nicht viel geändert. weil die umliegenden häuser in passagen umgewandelt wurden, hatte man kurzerhand die strasse abgeriegelt.

das dritte weihnachtsfest überraschte herrn m. mit einer schlimmen nachricht: man hatte im zuge der sanierung vergessen, die abwasserrohre in der strasse zu erneuern. deswegeh war das pflaster der strasse - direkt vor dem geschäft von herrn m. - erneut aufgerissen worden. weil der frost in diesem jahr jedoch sehr früh kam, musste man bis zum frühjahr warten, um die notwendigen arbeiten in angriff zu nehmen.

ich traf herrn m. auf der strasse. er sagte: "ich bin am ende. ich kann nicht mehr!" er sagte aber auch: "die banken werden einem traditionsreichen unternehmen wie meinem bestimmt nicht die kredite kündigen!"

herr m. betrat eines tages als honoriger bürger der stadt die geschäftsräume seiner bank. es ging um kredite, die sein unternehmen über die schwierige zeit bringen sollten.

er verliess nach einigen stunden - und erbitterten gesprächen - die bank und schloss danach seine geschäftsräume ab ... für immer.

man erzählt, dass es sich die stadt einiges kosten liess, als die neue passage in der von grund auf sanierten strasse endlich eröffnet wurde. sekt und schnittchen, eine musikkapelle, luftballons für die kinder, eine tombola ...

 


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