KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

09.03.2008 um 10:00 Uhr

von eichhörnchen, kaninchen und der SOLIDARITÄT!

in münchener wohngemeinschaften ging es zuweilen so unübersichtlich zu wie im deutschen wald. deswegen traf man sich in jenen 70er jahren immer freitags in der küche, um die anstehenden probleme zu besprechen ...

... im wald hingegen versammelten sich die tiere unter einer weitausladenden eiche.

wenigstens geschah das so in den geschichten, die ein junger student allabendlich den kindern, die in der wohngemeinschaft lebten, erzählte.

es ging - um es kurz zusammenzufassen - darum, dass eichhörnchen und kaninchen es satt hatten, die nachstellungen des fuchses zu ertragen, der ihnen nach dem leben trachtete. deswegen ersannen sie zusammen einige kluge finten, die den fuchs verwirren sollten.

sie übten sich - mit anderen worten - in solidarität.

von haus aus hatten sich ein kaninchen und ein eichhörnchen nicht viel zu sagen. sie lebten in zu verschiedenen welten und waren auf zu unterschiedliche weise damit beschäftigt, am leben zu bleiben. die solidarität war mithin ein akt der einsicht und klugheit.

klug - wenn auch nicht besonders einsichtig - war auch ein hausgenosse des jungen studenten, als er eines tages das erzählen dieser geschichten zum thema der wohngemeinschaft machte.

er sprach davon, dass kindern immer dann ein gründlich falsches weltbild vermittelt würde, wenn ein erwachsener so tut, als wären tiere der menschlichen sprache mächtig. so ein weltbild sei nicht nur eine lüge, sondern auch ein zerrbild der realität ... die es, das sagte er dann auch noch, im sinne einer sozialistischen weltordnung zu ändern gelte.

eichhörnchen und kaninchen hatten sich doch exakt darüber den kopf zerbrochen (sieht man einmal davon ab, dass sie von marx und engels nichts wussten. daraus konnte ihnen aber kein vorwurf gemacht werden ... lebten sie doch im tiefen wald) ...

... dachte der junge student, kam aber nicht mehr zu wort, weil die wohngemeinschaft beschloss, ihm das abendliche erzählen von geschichten zu verbieten.

jetzt übernahm der hausgenosse, der so klug vom zerrbild der realität gesprochen hatte, diese aufgabe ... denn immerhin: die kinder waren einigermassen traurig, nichts mehr von eichhörnchen und kaninchen zu erfahren.

stattdessen durften sie zuhören, wenn ihnen nunmehr allabendlich von bärbel und hans erzählt wurde, die eine fabrik besuchten ... oder ein sit-in im kindergarten organisierten, weil es zu den nudeln viel zu wenig tomatensauce gab ...

solidarität - so dachte der junge student damals - gibt es eben manchmal nur im wald.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierengrenzgaenger schreibt am 09.03.2008 um 10:20 Uhr:tja, ich schätze, das weiße balett-lama hätte den von fabriken und tomatensoße-im-kindergarten erzählenden hausgenossen kurzerhand angespuckt...aus solidarität mit den karnickeln und den eichhörnchen im wald... :-)...realität hin oder her, was ist der mensch ohne geschichten und phantasie... :-)

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