vor errachidia ...
vor errachidia!
______________________________________________________Vor errachidia stieg ich aus meinem auto und stand in der wüste.
ein weiter, leerer raum aus steinen.
es war still, beängstigend still. nirgends könnte es stiller sein als in der wüste.
was willst du hier? fragte ich mich. es fielen mir die worte meiner mutter ein: was findest du so schön an der wüste?
das war, als ich zum ersten mal nach marokko fahren wollte und ihr von meinen plänen erzählte. afrika war für meine mutter
eine einzige, grosse wüste. in der stand ich jetzt und fragte mich.
ich fand keine antwort.
natürlich hätte ich sagen können: die gewaltige landschaft, die hohen berge in der ferne, das licht und die farben,
die kette kleiner oasen, die ungeheure stille, die einsamkeit, der durst ...
ich sagte es nicht. ich konnte es nicht sagen. stattdessen stieg ich zurück in mein auto und wusste nur eines: jetzt fahre ich nach errachidia,
dann nach erfoud und dann ... erst dann werde ich weiter nachdenken.
es wäre vielleicht klug, unsere fragen - an die welt, das leben und an uns - aufzuteilen: in überschaubare ziele,
die wir in tages-, wochen- oder monatsfrist beantworten können. denn andere, grössere distanzen übersteigen unser vorstellungsvermögen
und tun unserer seele nicht gut. sie machen viel zu oft verzagt und manchmal auch schwindelig.
es ist wie bei verliebten.
wenn sie versprechen, sich in tages- oder wochenfrist wieder zu sehen, ist alles gut.
aber wehe, aus den wochen werden monate oder gar jahre. dann stirbt die liebe - oder wird doch auf eine harte probe gestellt.
wir sind nicht geschaffen für die ewigkeit, sondern für den augenblick, der aber - wenn wir es richtig bedenken - eine
viel umfassendere ewigkeit ist.
Ich sage es einmal so: unser herz kennt keine zeit, nur menschen und orte, bei denen es verweilen möchte.
