weisheitszahn!
mir einen weisheitszahn zu ziehen, ist keine leichte sache. denn wisse: wer weise ist, lässt sich dasselbe nicht gern ziehen ...
zuerst einmal heisst es, sich im zahnarztstuhl zurückzulehnen. bitte ruhig weiter atmen, meint der doktor. ja, das tue ich schon deswegen, um weiterhin luft zu bekommen. sodann fixiert eine junge dame meinen kopf mit beiden händen. es ist sicher gleich vorbei, meint sie beruhigend in meine richtung. bestimmt, sicher ... ich nicke aber nur, denn in meinem mund hängen inzwischen zwei schläuche, die gurgelnd den speichel aufsaugen. wohin?
jetzt sehe ich auch den doktor, wie er eine zange in den händen hält, sie langsam dreht und sie sich mit einer brille, deren gläser mit wassertropfen gesprenkelt sind, anschaut. für meine begriffe kann er überhaupt nichts sehen.
jetzt setzt er die zange an, der griff der jungen dame wird fester und ich spüre, wie die zange einen angriffspunkt in meinem mund sucht ... so eine art vorspringenden sims, hinter den man die zange klemmen kann, um mit einem ruck ...
aber soweit sind wir nocht nicht. es gibt auch keinen sims ... und auch keine kerbe, um die zange mit dem zahn, der gezogen werden soll, in eine feste und hebelwirksame verbindung zu bringen.
als nächstes gibt es einige testläufe. wie funktioniert die zange ... wie der zahn?
die junge dame fixiert, der doktor vergisst seine brille zu putzen.
neuer versuch!
die zange findet tatsächlich einen halt, um den zahn zu lockern. dazu muss er aber erst einmal nach rechts und auch nach links gedreht werden ... und das ganze noch einmal gegen den uhrzeigersinn.
die prozedur tut inzwischen höllisch weh. machen sie den mund nicht so weit auf, ruft der doktor. ich nicke ... die schläuche verhindern ein "aber gern"!
mit einem letzten aufgebot geballter kraft zieht und zerrt der doktor mit der zange an meinem zahn. und wirklich ... es knirscht, er dreht ihn nach rechts, nach links ... dann ist der zahn draussen.
geschafft, ruft die junge dame hinter mir. war doch alles halb so schlimm.
der doktor besieht sich den zahn, der zwischen der zange klemmt. da fehlt was! ruft er und schaut mir in den mund - dorthin, wo ein riesiger krater davon zeugt, dass mir etwas ausgerissen wurde und verloren ging.
doch noch nicht zu ende, meint die junge dame und fixiert abermals ... denn:
es war bisher nur halb so schlimm!
