KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

28.07.2008 um 16:57 Uhr

wenn manchmal alles ZERREDET wird!

eigentlich müssen die behörden in marokko nur den mund halten und andere dazu anhalten, ebenfalls zu schweigen. dann wird aus unrecht schon irgendwann das, was man als "schicksal" oder "nicht aufzuhaltendes unheil" oder "aus den strukturen erklärbar und entschuldbar" bezeichnen kann.

SIDI IFNI ist so ein beispiel, wo der protest der menschen mit einer unerhörten brutalität der polizei zum schweigen gebracht wurde.

plötzlich aber heisst es: was kann denn marokko dafür, dass es in SIDI IFNI immer noch keine fischverarbeitung gibt. warum nun gerade den behörden die schuld geben, dass das abwasser immer noch ungeklärt in den atlantik geleitet wird. warum marokko beschuldigen, dass der hafen nie ausgebaut wurde, warum nach dem staat rufen, wenn doch die arbeitslosigkeit in SIDI IFNi ähnlich hoch ist wie in anderen landesteilen ...

private investoren müssen her. wenn sie aber fehlen, ist an der misere leider nichts zu ändern.

was ist das für ein unsinn, der in foren des internets, die meinen, spezialisten in sachen marokko zu sein, verbreitet wird.

es wäre durchaus die aufgabe marokkos gewesen:

- den maroden und viel zu kleinen hafen in SIDI IFNI auszubauen,

- eine kläranlage zu bauen, um die strände und das wasser sauberer zu machen,

- finanzielle anreize für eine (von mir aus) privat organisierte fischverarbeitung zu geben,

-  den menschen, die unter der hohen arbeitslosigkeit leiden, perspektiven zu eröffnen. was bedeutet, den strassenbau und hafenausbau voranzutreiben, einen ökologisch sinnvollen tourismus in der region anzuschieben, SIDI IFNI besser an die infrastruktur des landes anzubinden,

etc., etc.

stattdessen liest man, dass wenn private investitionen fehlen, sich in marokko leider kein fortschritt einstellt. ich habe solchen unsinn selten gelesen ... vor allem nicht über ein land, das zentral und autoritär regiert wird und wo nichts, aber auch gar nichts dem zufall überlassen bleibt. wo gar der könig als wohltäter durchs land reist und hier eine schule und dort ein krankenhaus verspricht - mit gönnerhafter miene. immerhin, er ist der könig.

wäre es anders und transparenter, könnten ja die "falschen" davon profitieren und die mächtigen im land einmal leer ausgehen, wenn es um das korrumpierte füllen ihrer schatullen geht.

am ende sind die menschen in SIDI IFNI selber schuld. man muss ihnen in einem deutschspachigen forum nur einmal sagen, wohin der hase läuft.

sie wissen es wohl nicht besser, die ärmsten. 

ausser mitleid gibt es keinen trost.  die experten haben gesprochen. man schweige also vor so viel forensachverstand ... sage höchstens höflich und mit tiefer verbeugung "danke!"

p.s. seltsam nur, dass sich mit diesen abstrusen argumenten immer gerade die zu wort melden, die - stets ihre hände aufhaltend - marokko abklappern, um ihre dienste anzubieten ... die natürlich nicht (ein zu vernachlässigender schönheitsfehler) von privaten investoren, sondern vom marokkanischen staat oder der europäischen union finanziert werden wollen ...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenargazarroumi schreibt am 28.07.2008 um 19:05 Uhr:Rolf,
    leider muss ich Dir teilweise widersprechen.
    Ob Sidi Ifni der geeignete Platz für die Errichtung einer Fischverarbeitung ist, entzieht sich meiner Kenntnis, befürchtungsweise auch Deiner. Insofern können wir das nicht beurteilen.
    Selbstverständlich ist die marokkanische öffentliche Hand für die Infrastruktur (Strassen, Energie, Wasser/Abwasser, Kommunikation) des Landes zuständig. Daran hapert es in vielen Regionen, aus welchen Gründen auch immer. Auch gibt der Staat in Form von Steuer/Zollbefreiungen Starthilfen für Investitionen, gleich, ob diese von Marokkanern oder Ausländern getätigt werden. Der Staat selber kann nur in den seltensten Fällen als Privatinvestor auftreten. Da wäre er angesichts der wirtschaftlichen Situation des Landes völlig überfordert, in jeglicher Richtung.
    Es gibt in Marokko zwei wesentliche Gesichtspunkte, die selten zur Sprache kommen:
    1) Potentielle marokkanische Investoren für größere Projekte haben Seltenheitswert, die kannst Du an einer Hand abzählen. Die Gründe hierfür dürften vielfältig sein, und haben sicherlich etwas mit der Situation im Lande zu tun. Auch das Risikoverhalten der Banken trägt ein Scherflein dazu bei. Das ist nämlich äusserst zurückhaltend, um es vorsichtig auszudrücken.
    2) Der mittelständische, ausländische Investor macht einen Bogen um Marokko, völlig im Gegensatz zum Quasinachbarn Tunesien, der einen enormen ausländischen Kapitalzufluss zu vermelden hat. Ich rede hier nicht von schicken Vorzeigeprojekten wie Tanger MED, sondern von Investoren, die Arbeitsplätze für 100 - 400 Menschen schaffen. Der Hinweis bei Marokkanern auf Tunesien stößt auf ungläubiges Staunen, um dann in Ablehnung überzugehen. Dass die mittelständische Industrie nicht in Marokko investiert, hat auch seine Gründe, die im Lande zu finden sind.
    Das alles gleicht einem Kampf gegen Windmühlenflügel. Das weiß auch der Marokkaner nicht, wo er ansetzen soll.

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