KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

24.07.2006 um 15:57 Uhr

werden jetzt auch die "buddenbrooks" verboten?

von: rolf

es ist zum lachen - wenn es nicht so traurig wäre: nach dem erscheinen der "buddenbrooks" von thomas mann fühlten sich einige lübecker bürger beleidigt. sie meinten sich im roman wiederzuerkennen - allerdings auf wenig schmeichelhafte weise. sie bezeichneten thomas mann daraufhin als "nestbeschmutzer" und hätten ihn (wäre er nicht schon längst fortgegangen) mit schimpf und schande aus der stadt gejagt. so weit die realität - es folgt die fiktion: einige lübecker gründeten eine interessengemeinschaft. "geschädigte des thomas mann" und zogen vor gericht. die richter folgten ihrer auffassung, dass sie als personen im buch von thomas mann nicht realitätsgerecht dargestellt worden waren. das buch wurde kurzerhand verboten. die interessengemeinschaft freute sich, sann aber auch noch auf schadensersatz. also zogen sie ein zweites mal vor gericht und verklagten thomas mann auf ein schmerzensgeld von 100.000 mark. dieses verfahren ist zur zeit noch anhängig. pure fiktion? ja und nein. wenigstens erhielt thomas mann für die "buddenbrooks" - wir wissen es - den nobelpreis. wäre der roman damals verboten worden, hätten die herren in stockholm keine gelegenheit gehabt, das zu lesen, wofür sie ihren preis vergaben. also doch nur fiktion? ja und nein. denn mit dem roman von maxim biller "esra" und die reaktion darauf verhält es sich genau so, aber leider so widersinnig, dass (keine fiktion) dieser tage eine grosse zahl von intellektuellen und schriftstellern laut und mit allem nachdruck protestiert. ein roman, der verboten wurde"

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