wie ein DEMOKRAT geboren wird!
die "burschenschaften", also studentische verbindungen, sind ins gerede gekommen - und das seit langem. man vermutet bei ihnen (und das zu recht) nationalistische und manchmal chauvinistische gesinnung, konservativismus und akademischen klüngel. dabei waren die "burschenschaften" im ersten drittel des 19. jahrhunderts die avantgarde für einigkeit, recht, freiheit und demokratie in deutschland. das "hambacher fest" - das treffen der burschenschaften im jahre 1832 - signalisierte damals den aufbruch deutschlands aus kleinstaaterei und despotie.
fritz reuter, der bedeutende niederdeutsche schriftsteller, der den "burschenschaften" angehörte, musste seine mitgliedschaft mit einer haftstrafe bezahlen. eine freiheitliche gesinnung (von demokratischer haltung gar nicht zu sprechen) galt damals als revolutionär - also infiziert mit den gedanken der französischen revolution. da kannte der staat kein pardon. ein so verdächtigter musste hinter schloss und riegel. der ruf nach freiheit war gleichbedeutend mit umsturz ...
fritz reuter bemerkte dazu:
„Un denn wunnern sick de Lüd’ noch, wo einer Demokrat werden kann. As wi inspunnt würden, wiren wi’t nicht, as wi rute kemen, wiren wi’t all“.
Übersetzt: Und da wundern sich die Leute noch, wie einer Demokrat werden kann. Als wir eingesperrt wurden, waren wir es nicht, als wir entlassen wurden, waren wir es alle.
