wohin mit der ZIMMERPALME?
es ist ja nicht so, dass politiker sich lange zieren, wenn sie der ruf ereilt, in bremen einen senatorenposten zu erhalten. dieser job entspricht einem landesminister und ist entsprechend dotiert.
wer aber will vom geld sprechen, wenn es um politik geht - und man politisch etwas bewegen will?
weil in der bremer SPD und bei den GRÜNEN (beide stellen die neue koalition) die personaldecke knapp zu werden scheint, berief man jüngst einige senatoren, die bisher in anderen bundesländern zum wohl des volkes politisch tätig waren.
sie liessen sich auch nicht lange bitten, denn ein senatorenamt ist etwas besonders feines und im übrigen besonders gut dotiert. aber - über das geld wollen wir ja nicht sprechen. es geht - ganz allein - um die arbeit zum wohl des volkes.
senatoren in bremen haben "residenzpflicht" - d.h. sie müssen in bremen leben, um ihr amt zu bekleiden. wo kämen wir dahin, wenn ein senator jeden morgen aus einem anderen bundesland einfliegen würde, um in bremen nach dem rechten zu sehen ... (im übrigen wäre es nicht unpassend, wenn sie vielleicht eine bremer ur-uroma im stammbaum hätten).
eine wohnung zu finden, dürfte - in der gehaltsklasse von senatoren - nicht unbedingt schwierig sein. wie aber den hausrat nach bremen schaffen - die töpfe, die schränke, die bücher, die zimmerpalme?
das kostet doch alles viel geld, oder?
nicht umsonst heisst es: einmal umgezogen ist wie einmal abgebrannt.
so ein feuer unter dem dach mochte der bremer senat seinen neuzugängen nicht zumuten. deswegen beschloss man, eine "umzugshilfe" zu gewähren. das kann man sich in etwa wie die gewährung eines wintermantels für sozialhilfeempfänger vorstellen.
in etwa!
jetzt endlich konnten die umzugskartons gepackt und nach bremen verfrachtet werden. das kostet ja nichts - und im übrigen hat ein senator anderes zu tun, als sich über töpfe, schränke, bücher und zimmerpalmen den kopf zu zerbrechen.
er arbeitet zum wohl des volkes - das ihm den umzug bezahlt. das ist nur gerecht. politik gegen umzugskosten - ganz einfach.
das nun aber wollte das volk nicht und murrte.
immer wenn das volk etwas geben soll, murrt es. das kennen wir ja schon.
weil das volk aber besonders laut murrte (sogar knurrte), entschied der senat eilig, die umzugskosten wieder zu streichen.
jetzt sitzen einige senatoren auf ihren umzugskartons und verfluchen den tag, als sie sich entschieden, zum wohl des volkes in bremen zu arbeiten.
wohin also, verdammt noch mal, mit der teuer umgezogenen zimmerpalme?
