KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

28.06.2007 um 18:56 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! fünfter teil

yvonne rümpfte angewidert die nase. „bemühen sie sich nicht. wir sind besseres gewöhnt - nicht umsonst kommen wir aus europäischen backstuben und speisekammern.“

„mehl, brot, speck, käse!“ ergänzte elvira. „es wird hier doch wohl irgendwo ein restaurant geben, das europäisch kocht.“

die tunesische maus dachte nach. „ich wüsste nur das hotel „la plage“. es ist für seine „mehligen pfannkuchen im speckmantel“ in ganz tunesien berühmt - serviert wird allerdings nur nach voranmeldung. abendgarderobe ist obligatorisch."

„was hindert sie, uns dorthin einzuladen - oder stört sie etwa mein dunkelgraues kostüm?“ yvonne sah an sich hinunter und konnte, wenn überhaupt, nur kleine fehler feststellen. „es hat auf der reise vielleicht etwas gelitten - man wird es aber bestimmt aufbügeln können!“ sie rieb an ihrem fell und versuchte, hier und da einen fleck zu entfernen.

die tunesische maus kam ins schwitzen. „eine einladung von mir? ja, bitte, warum nicht, doch, doch ...das ist aber schwieriger, als die damen denken - sie verlangen im hotel ordentlich bakschisch, anders kommt dort keine einheimische maus hinein.“

„wer spricht von tunesischen mäusen?“ rief elvira entrüstet. „sollen die eingeborenen doch draussen bleiben ...“

„... und ihre party gefälligst am strand feiern!“ stimmte yvonne ihrer freundin eifrig zu.

„und was mache ich?“ fragte die tunesische maus kleinlaut.

„sie reservieren uns europäern den tisch im „la plage“ - was denn sonst!“

die tunesische maus konnte ein nervöses zucken in den schultern nicht unterdrücken. „ich werde sehen, was sich machen lässt.“

sie verschwand in den verwinkelten gassen von tunis und liess yvonne und elvira allein zurück.

die beiden freundinnen hatten - jede für sich - zum ersten mal das gefühl, mit ihrer idee, urlaub in tunesien zu machen, eine vielleicht falsche entscheidung getroffen zu haben. sie suchten, allein und verängstigt wie sie waren, ein versteck und fanden eine leere tomatenkiste, die im rinnstein lag. weil aber immer wieder jemand vorbei kam, der dieses behältnis als fussball benutzte, mussten yvonne und elvira jedes mal der im hohen bogen fortfliegenden kiste eilig folgen. sie taten das im trippelschritt, immer darauf bedacht, dass die kiste, wenn sie sich schon auf unberechenbarer flugbahn befand, doch einigermassen über ihren köpfen blieb.

und das war nicht einfach.

als die kiste zum fünften mal als fussball benutzt wurde, mussten die beiden freundinnen sich ein neues versteck suchen. die kiste zersplitterte in der luft und landete, zerlegt in viele kleine einzelteile, in einer dunklen seitengasse. yvonne und elvira verliessen, ihres verstecks beraubt, in panischer angst den rinnstein und rannten kopflos der sich auflösenden tomatenkiste hinterher ...

in der dunklen seitengasse lehnte eine schwarze maus an einer fleckigen hauswand (sie trug eine verspiegelte sonnenbrille) und wartete mit einem breiten grinsen, bis die beiden freundinnen geradewegs in seinen armen landeten.

„hoppla, die damen!“ lachte er und packte elvira und yvonne, die auf ihrer flucht aus dem hellen tageslicht gefährlich ins stolpern geraten waren, an den vorderpfoten.

„lassen sie mich sofort los, sie flegel!“ kreischte elvira und schlug um sich. yvonne wollte nicht warten, bis der typische totstell-reflex einsetzte und rammte der schwarzen maus ihre vorderzähne in die schulter.

„sind die aber spitz!“, lachte er, lockerte aber doch seinen griff.

„wir sind nur arme touristinnen aus europa. was wollen sie von uns?“ schrie elvira, der im sekundentakt angstschauer übers fell liefen.

„ihnen einen wunderschönen guten tag wünschen ...“ grinste die schwarze maus und entliess die beiden freundinnen endgültig aus der umklammerung seiner pfoten. „... denn nicht jede schwarze tunesische maus hat übles im sinn - auch wenn ich zugeben muss, dass es einige unter uns gibt, die bei so hübschen damen wie sie ...“

„... raspeln sie ihr tunesisches süssholz von mir aus in gegenwart einer naiven touristenmaus. vielleicht haben sie bei ihr mehr glück ... yvonne - wir gehen!“ elvira griff (ermutigt von dem sich abzeichnenden glimpflichen ausgang ihres abenteuers) nach der pfote der freundin.

„wohin denn?“ fragte die schwarze maus amüsiert.

„das geht sie gar nichts an,“ entgegnete elvira spitz und bereits wieder im besitz ihrer unerschütterlichen furchtlosigkeit. „weil sie aber ein so ungezogener, neugieriger mensch sind, verrate ich es ihnen: wir gehen ins hotel „la plage“. dort sind wir nämlich verabredet.“

yvonne wollte gerade zu bedenken geben, dass die schwarze maus mit ihrer blödsinnigen sonnenbrille nicht nur neugierig und ungezogen, sondern auch schrecklich eingebildet war ... und dass das hotel von ihnen niemals ohne fremde hilfe gefunden werden konnte (dies aber - weil nebensächlich - nur am rande bemerkt und weit jenseits jeden totstell-reflexes), als die schwarze maus ihre verspiegelte sonnenbrille zurecht rückte und überrascht ausrief:

„was für ein zufall ... dort bin ich der animateur.“


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