11.11.2010 um 13:50 Uhr
06.11.2010 um 23:19 Uhr
Liebeskummer?
Eine kleine Tatsache, vor deren Existenz ich mich heute nicht mehr verschließen konnte, macht mich aktuell etwas ratlos. Ich kann keinen Liebeskummer empfinden. Es geht nicht. Ich kann nicht.
Selbst als ich den tollsten Mann der Welt, den Mann aus dem Café, gehen lassen musste, weil ich verstanden hatte, dass aus uns beiden in diesem Leben wohl nichts mehr wird: keine Träne. Kein Kummer. Unendliche Wut auf seine Blödheit, sich den Satz mit der Paartherapeutin nicht verkniffen haben zu können, aber keine Trauer. Ich habe postwendend eine Freundin angerufen, mir von der Seele geschrieen, was für ein unfassbarer Idiot dieser Mann doch ist und wie wahnsinnig wütend ich auf ihn bin, bin von diesem Telefonat aus direktamente zum Italiener um die Ecke, bei dem ich seit ein paar Tagen mit einer Freundin verabredet war, hab mir nochmals die Wut über den Vollpfosten aus dem Leib geflucht, diesmal jedoch schon mit einigen humorigen Kommentaren und so manchen Lachsträngen in der Erzählung und mir dabei einen halben Liter Rotwein einverleibt, der ganz hervorragend zu den köstlichen Spaghetti vongole passte (die waren echt super, wenn ich mich nach mehr als zwei Stunden noch an ein Essen erinnern kann, dann hat das was zu heißen), hab mich dann zum Rauchen mit meiner Freundin in meine Küche gesetzt (geht ja in Europa in Kneipen nicht mehr, außer in Österreich) und mir einen weiteren Liter Rotwein hinter die Binde gekippt, hatte an den nächsten beiden Tagen zwei bezaubernde Dates mit zwei bezaubernden jungen Herren die mich ebenfalls ganz bezaubernd fanden und bin dann zu einer ausgesprochen interessanten und feucht-fröhlichen Konferenz gefahren. Kein Liebeskummer, keine betrunkenen Heulattacken, keine Vertraulichkeiten mit Wildfremden über die Hoffnungslosigkeit im Speziellen und des Lebens insgesamt, nicht mal eine Spur von Zynismus oder Selbstmitleid (einmal bin ich morgens mit einem beklemmenden Angstgefühl aufgewacht, als mir klar wurde, er ist nicht mehr da, aber das hat nur ein paar Stunden angehalten, bis ich merkte, ich komme auch alleine klar).
Und ich war wirklich wahnsinnig in diesen Typen verliebt. Über alle Maßen wie seit Jahren nicht mehr. Zum ersten Mal seit Jahren konnte ich wieder jemanden vermissen, mich nach jemandem sehnen, liebte es, mich mit jemandem unterhalten, stundenlang, ohne mich je dabei zu langweilen. Wie kann es da sein, dass ich nicht unendlich traurig bin, jetzt, da er nicht mehr da ist, meinem Leben kein Ende bereiten will, nicht glaube, ich werde nie wieder jemanden kennenlernen, der so hervorragend zu mir passt wie dieser Mensch, wieso bin ich nach wie vor glücklich und dankbar für meine Freundinnen, liebe sie nach wie vor über alles und finde mein Leben ohne ihn aber mit ihnen nach wie vor wahnsinnig lebenswert? Gut, da ist das ungelöste Problem mit meinem Job, da sind Weinattacken im öffentlichen Raum (aber dennoch unbeobachtet), wenn ich an Dinge von früher denke, über die ich noch nicht geschrieben habe, weil ich noch nicht weiß wie, aber alles in allem kann ich ohne Mann. Wie kann das sein? Ich habe nicht viel Selbstdisziplin, ich bin nicht wahnsinnig hart zu mir selbst, ich lasse mich gehen, wenn ich keine Kraft mehr habe, der Spruch "Her mit dem schönen Leben" könnte von mir sein (ich hätte vielleicht noch dazu gesetzt, "und zwar sofort") und trotzdem zerfließe ich nicht vor Kummer. Ist das eigentlich noch normal? Wenn ich in den anderen Blogs hier stöber, muss ich feststellen, dass zu einem richtigen Frauenleben endlos quälender Liebeskummer zu gehören scheint, er stellt gleichermaßen die conditio sine qua non dar, die eine Frau erst zu einer Frau werden lässt, der sie adelt und in Ihrer Weiblichkeit betont.
Wieso kenne ich das nicht? Bin ich zu kalt, zu gefühllos, zu wenig empfindsam, zu oberflächlich, zu unweiblich, zu leblos? Das lässt mir keine Ruhe mehr. Ich werde der Sache nachgehen.
05.11.2010 um 01:20 Uhr
Hurra, wir sind fünf!
Als ich vorhin meine Emails abrief, dachte ich, mich trifft der Schlag. Prangte da doch der Name des Ehemannes meiner besten Ex-Freundin, die mich ein reichliches Jahr nach dem Abitur von heute auf morgen sang und klanglos für diese riesengroße Turbonulpe verlassen hat, während ich noch mit den 20 kilo Übergewicht zu kämpfen hatte, die ich mir nach den 20 Kilo Untergewicht angefressen hatte, und dabei war, mich mit der Tatsache anzufreunden, dass ich wohl die nächsten 80 Jahre ohne Geschlechtsverkehr oder sonstige Freuden würde zurechtkommen müssen. Als sie es an an dem ersten Weihnachten post Kennenlernen von Dumpfbacke nach einer halben Stunde vorzog, mich bei ihren Eltern rumsitzen zu lassen und lieber mit ihrem neuen Freund ins Bett zu gehen, obwohl wir uns ja nicht mehr so oft sahen, habe ich meine Konsequenzen gezogen und nie wieder ein freundliches Wort mit ihr gewechselt. War auch nicht mehr nötig, sie legte ab dem Zeitpunkt auf die Freundschaft sowieso keinen Wert mehr. Die Dame ging eben gerne über Leichen.
Jedenfalls, um nochmal auf diese Email des Gatten zurückzukommen, sie trug die goldige Überschrift "Hurra jetzt sind wir fünf" und beinhaltete einen Anhang mit drei possierlichen Bildern der Großfamilie. Ein friedlich schlummerndes Baby und zwei dicke Kleinkinder, dazu der dumpfbackige Gatte und meine glückselige beste Ex-Freundin. Falls sich hier gerdae einer fragt, nein, ich bin nicht lesbisch, nein, die Freundschaft hatte keinerlei erotische Komponente, im Gegenteil, sie nährte sich vorallem dadurch dass ich dachte: ich krieg zwar keinen ab, aber die ist ja noch unattraktiver als ich, da halte ich mich doch besser an diese Freundschaft, dann sind wir eben zu zweit Single, kann nicht schaden. Tja, falsch gedacht, keine 12 Monate nach dem Abitur hatte sie ihre Dumpfbacke gefunden, selbst für einen Juristen überdurchschnittlich dämlich. Danach ihr Lehramtsstudium beendet, den Kerl geheiratet und angefangen, ein Kind nach dem anderen zu kriegen, nur um nicht mehr arbeiten zu müssen. Seit 5 Jahren in Elternzeit bei fast voller Bezahlung, da hört's doch wohl auf. Ihre Mutter hat meiner erzählt, die Eheleute hätten vereinbart gehabt, es gäbe kein drittes Kind. Hat meine beste Ex-Freundin gar nicht interessiert. Irgendwie muss man das arbeiten doch wohl vermeiden können, verdammt noch mal. Zack, noch ein Kind. Die Dame geht über Leichen. Er arbeitet rund um die Uhr und wenn er nach Hause kommt, macht er noch den Haushalt. Das hat mir vor kurzem eine andere Schulfreundin gesteckt, die noch mit ihr befreundet ist. Hätte er mal mich fragen sollen. Die Dame geht gerne über Leichen. Das wusste ich schon vor ihm.
Eine Frage ist damit aber immer noch unbeantwortet: Wo hat der Typ meine Email-Adresse her? Mein Konto ist geschändet! Ich wünschte ich könnte es abduschen. Geht aber nicht. So'n Scheiß.
02.11.2010 um 16:24 Uhr
Muttis und die Liebe
Alle schreiben über die Liebe. Oder vielmehr darüber, dass oder warum es mit der Liebe nicht funktioniert. Nach meinem letzten Freund, einem ganz wunderbaren Mann, in den ich mich an einem späten Sonntagnachmittag im August in einem Café bei mir um die Ecke innerhalb 1 Sekunde verliebt hatte; den ich sah und entschied, so lange dort sitzen zu bleiben und die vor mir liegende, von mir präferierte Zeitung zu lesen, bis er mich ansprechen würde; der dies dann auch tat, mich auf einen Tee einlud und mit dem ich dann noch etwas trinken ging; der mir dann erzählte, dass er von seiner Ehefrau getrennt lebe, da sie ihm seit einem Jahr sage, dass sie ihn nicht mehr liebe, dass sie zwei Kinder miteinander hätten und er nicht wüsste, ob sie sich wirklich trennen oder nur räumliche Distanz zueinander schaffen würden, um wieder zueinander zu finden; der mich eine Woche später bei mir zu Hause besuchte, mit dem ich aß und trank und mich noch mehr verliebte; der über Nacht blieb (auf dem Sofa), in der Nacht darauf wiederkam und wieder blieb, jedoch nicht mehr auf dem Sofa; der mir sagte, er habe sich in mich verliebt und er könne sich jetzt vorstellen, seine Frau zu verlassen; der dies dann aber doch nicht tat, sondern der, nach vielen Nächten, die sich für mich angefühlt hatten wie das Paradies und noch mehr Gesprächen, in denen er mir erklärte, er könne mir nichts versprechen und ich ihm erklärte, dass ich diese Ungewissheit nicht mehr akzeptierte, ihm meinen Schlüssel wieder abnahm, bis er sich für mich entschieden haben würde, wovon ich damals fest ausging, der mir also zwei Monate nach diesem späten Augustnachmittag sagte, er habe eine super Paartherapeutin gefunden, mit der er dann doch noch mal versuchen wollte, seine Ehe zu retten, seit diesem Freund langweilt mich die Frage, warum es mit Mann X oder Mann Y nicht funktioniert.
Denn ich glaube, wenn Liebe nicht funktioniert, und wenn sie mehrfach nicht funktioniert, wenn das Nichtfunktionieren der Liebe der andauernde Normalzustand ist, dann ist das ein Symptom für etwas anderes, das in uns selbst nicht funktioniert. Bei mir ist es, davon bin ich mittlerweile überzeugt, meine überaus dominante Mutter, die mir nicht gezeigt hat, mich selbst zu lieben, deren einziges Ziel darin bestand, nicht allein zu sein, die mich daher an sich kettete, die Angst hatte, dass ich eigene Wege gehen würde, die alles unterband, was mich interessierte, mich kritisierte, wenn ich die Dinge auf meine Art machen wollte, und die mir schlussendlich vorschreiben wollte, mit nicht einmal geringem Erfolg, welche Männer ich treffen sollte und welche nicht. Die Faustformel dabei war: je unsexier, unattraktiver und abhängiger von den eigenen Eltern, desto eher konnte ich mit ihm ausgehen, je interessanter, sexier und reifer, desto mehr redete sie mir ein, dass dieser Mann vollständig inakzeptabel sei, geradezu ekelig. "Geradezu ekelig" war einer ihrer Lieblingsbegriffe. So habe ich, glaube ich, als loyale, man kann auch sagen als abhängige Tochter mir später dann freiwillig und unbewusst immer die Männer ausgesucht, mit denen es nichts werden konnte. Gebundene Männer, die gar nicht willens und in der Lage waren zu einer echten, tiefen Beziehung mit mir, die mein Beziehungsgeflecht zu meiner Mutter grundlegend geändert hätte. Und zum Schluss eben den Verheirateten, der in die Beziehung zu mir gleich noch drei weitere Personen mitbrachte, und bei dem ich mich dann oft so fühlte wie als Kind bei meinen Eltern: als diejenige, die vermitteln musste zwischen zwei Erwachsenen und die nicht als Mensch mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen wurde. Die keine eigenen Wünsche, Ziele, Träume haben durfte, sondern die ausstaffiert und auf Kurs gebracht wurde, um das instabile Beziehungsgefüge der Eltern zu erhalten. Die als Partnerersatz mal für den einen und mal für den anderen Elternteil und oft auch für beide gleichzeitig herhalten musste.
Tragischerweise, und ich gebe zu, DAS lässt mich einen gewissen Ekel empfinden, ist die Beziehung, die ich hinter mich bringen muss, und deshalb schreibe ich wohl gerade darüber, die Beziehung zu meiner Mutter. Wie oft habe ich in den letzten Wochen gedacht: Es ist wie eine schlechte (Liebes-) Beziehung, für die ich endlich die Kraft aufbringe, sie zu beenden. Meine Mutter war so raumfordernd, dass für keine andere wirkliche echte Beziehung in meinem Leben Platz war. Die einzig wichtige Beziehung in meinem Leben sollte die Beziehung zu ihr sein. Niemandem sollte ich vertrauen, nur ihr. Ich habe das für die Normalität gehalten, nicht gemerkt, wie sie mich manipuliert und mich für sich verfügbar macht, mich daran hindert, mich zu entfalten und zu wachsen. Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich nicht begreifen, dass sie dieses System solange aufrechterhalten konnte.
Seitdem mir das klar ist, habe ich mein Interesse an der Liebe bis auf weiteres zurückgestellt. Warum ich mich immer wieder unglücklich verliebe, habe ich verstanden. Bislang war ich Muttis Tochter. Ich habe ihr über 30 Jahre meines Lebens gewidmet. Aber jetzt ist Schluss, jetzt bin ich dran. Weihnachten z.B. fahre ich zu guten alten Freunden, anstatt zu meinen Eltern. Meine Mutter hat's mit verzweifeltem Weinen quittiert. Und das hat kurioserweise bei mir zum ersten Mal in meinem Leben kein schlechtes Gewissen ausgelöst, sondern im Gegenteil die feste Überzeugung geschaffen, dass dieser Schritt genau der ist, den ich gehen muss. Wenn eine Mutter weint, weil die über dreißigjährige Tochter Weihnachten nicht zu Hause feiert, dann ist irgendetwas ganz schlimm faul.
Dafür wird mein letzter Freund auch in die Annalen meiner Geschichte eingehen, als Trennungshelfer von Mutti.
