Wer greift sich Enke?
Einen Anruf aus Hamburg hat Robert Enke Anfang
dieser Woche schon bekommen. Am anderen Ende der Leitung war – HSV-Star
Juan Pablo Sorin. Die beiden hatten sich beim FC Barcelona (2002–2003)
kennen und schätzen gelernt. „Sorin“, bestätigte Enke-Berater Jörg
Neblung, „hat Robert sein Beileid ausgesprochen“ nach dem Tod von
Tochter Lara Anfang September.
Es war eine freundschaftliche
Geste, der Argentinier Sorin und Enke plauderten länger miteinander.
Morgen in der AOL-Arena werden sie sich wiedersehen. Besondere Brisanz
erhält die Partie dadurch, dass der HSV unter dem dringenden Verdacht
steht, Enke nach Hamburg locken zu wollen.
Sein Vertrag bei 96
läuft im Juni 2007 aus, und der HSV braucht eine neue, starke Nummer
eins im Tor. Wohl um die Lage zu beruhigen, gaben die Hamburger gestern
bekannt, dass Torhüter Sascha Kirschstein bis 2011 bleibt –
unterschrieben worden war der Vertrag allerdings schon vor einem
Vierteljahr. Ersatzmann Stefan Wächter wird dagegen 2007 gehen müssen.
Enke
ist neben Jens Lehmann (Arsenal), der auch auf dem deutschen Markt
angeboten wird, der interessanteste Kandidat auf dem Torwartkarussell,
auf dem auch Timo Hildebrand (Stuttgart) und Raphael Schäfer (Nürnberg)
sitzen. Stuttgart bemüht sich mit mäßigen Chancen bereits um Enke,
96-Boss Martin Kind will ihn nun aber rechtzeitig vom
Transfer-Karussell heben. „Enke ist nicht nur wegen seiner sportlichen
Leistungsfähigkeit und seiner Entwicklung zum Nationalspieler wichtig
für uns“, weiß Kind. „Er ist Sympathieträger und Identikationsfigur.“
In
der kommenden Woche wird Kind die Verhandlungen mit Berater Neblung neu
beleben. Die Rahmendaten eines Vierjahresvertrags mit einem Volumen von
acht Millionen Euro hatte Manager Ilja Kaenzig schon vorverhandelt.
„Das ist die Basis für unsere Gespräche“, sagt Kind. Er glaubt, „wir
haben eine realistische bis gute Chance, Robert Enke zu halten“. In
Wahrheit dürfte sie bei 50:50 liegen. Wichtig ist für Enke ein stabiler
Aufwärtstrend bei 96, wie Neblung sagt: „Es wäre gut, wenn es in der
Tabelle nach oben ginge.“ Eine Pleite in Hamburg wäre also nicht
hilfreich.
Überraschend wurde Enke nun übrigens sogar mit dem FC
Chelsea in Verbindung gebracht, als Petr Cech sich schwer verletzte
(Schädelbruch). Trainer José Mourinho „wollte Enke schon zweimal
verpflichten, als er noch in Porto gearbeitet hat“, weiß Berater
Neblung. Inzwischen aber ist klar: Cech wird bis zum Winter wieder fit,
Chelsea sucht nur noch einen dritten Torwart.
Quelle: Neue Presse
