Schmunzelblog

03.08.2009 um 10:15 Uhr

Der Anschlag

 

Heute wird es mit Glucken-Gudrun zu Ende gehen. Und ich, Curry-Curd, werde der lachende Sieger sein.

Das wurde aber auch Zeit. Noch ein paar Tage und ich bin pleite. Letzte Woche habe ich nur fünfzehn Würste verkauft. Fünfzehn! Alles Gudruns Schuld. Für zwei Imbissbuden ist der Parkplatz einfach zu klein.

Am liebsten wäre ich heute früher zur Arbeit gefahren. Aber keine Leichtsinnsfehler. Bloß nicht auffallen.
Dabei hatte ich es anfangs auf die friedliche Tour versucht. Wenn die Kunden Hähnchen wollen, sollen sie die nicht nur bei dem Hühnchen bekommen, hatte ich gedacht. Hab mir extra so ein Grillteil gekauft. Fehlanzeige. Die Leute liefen weiter zu Glucken-Gudrun.
"Weil du immer so mürrisch bist", hat meine Erna gesagt. "Nicht so freundlich wie die Gudrun."
Hat sie ja vielleicht Recht. Die ist wirklich so. Sogar zu mir.
Neulich hat sie mir ein Hähnchen geschenkt. Als ob ich das wollte. Oder die Kiste Ketchup, die mit lieben Grüßen vor meiner Imbissbude stand. Ich will ihre Almosen nicht. Und ihre mitleidigen Blicke kann ich auch nicht mehr ab. Wenn sie denn mal die Zeit hat, sie mir zuzuwerfen.

Aber heute fliegt ihr der Ketchup um die Ohren. Habe den Zeitzünder auf Punkt neun gestellt. Gerade, wenn ich wie jeden Morgen meine Bude aufschließe. Das Schauspiel will ich mir doch nicht entgehen lassen.
War nicht leicht den ganzen Kram zu besorgen. Da soll noch mal einer sagen, dass ich nichts auf die Reihe kriege. Und dann ist es aus mit Gudruns Glück. Die hat sowieso viel zu viel Schwein gehabt.
Wenn ich nur an die Kakerlaken denke. Ich schleich mich nachts an die Gluckenbude ran und krieg erst am nächsten Morgen mit, dass die Alte alles ausgeräumt hat und ne Woche Urlaub macht. Die Viecher haben überhaupt nichts zu fressen gefunden. Klar, wo die weitergesucht haben.
Oder als ich ihr die Kühltruhe ausgeräumt habe. Kommt doch am nächsten Tag die Hygiene und stellt Salmonellenbefall an Gudruns Hähnchen fest. Nur dass die jetzt in meiner Truhe waren. Da konnt ich erst mal zumachen.
Aber damit ist jetzt Schluss. Hab ihr die Bombe in einer Ketchupkiste in den Wagen geschmuggelt. Wenn sie diesmal wieder Glück hat, geht sie nicht dabei drauf.

Zwei vor neun. Ich bin pünktlich wie die Feuerwehr. Aber die wird heute zu spät kommen. Noch steht die Gluckenbude. Gudrun winkt mir zu. Ich winke zurück. Vor meiner Bude steht eine Kiste Ketchup.
Ein Zettel: "Ich hab eine zuviel. Vielleicht kannst du sie brauchen. Liebe Grüße, Gudrun."
 
 
Text: Philipp Bobrowski
Coverfoto: Paul-Georg Meister / Pixelio (www.pixelio.de)

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSuperschalker schreibt am 03.08.2009 um 18:46 Uhr:*lach*
    Der arme Curd.
    Erst hat er kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu... *g*
  2. zitierenPhips schreibt am 14.08.2009 um 10:07 Uhr:Hallo Superschalker,

    Mensch, ich bin echt zeitlich gerade sehr eingeschränkt, daher die späte Antwort.

    Aber dein Kommentar bringt es ja auch auf den Punkt! ;-)
  3. zitierenBabbeldieübermama schreibt am 24.08.2009 um 03:35 Uhr:Hier bewahrheitet sich das Sprichwort: Wer anderen eine Grube gräbt,...... Lustige Geschichte.
  4. zitierenPhips schreibt am 25.08.2009 um 13:17 Uhr:... hat kurze Beine? ;)
  5. zitierenBabbeldieübermama schreibt am 25.08.2009 um 13:52 Uhr:..... hat noch lange kein Baugeschäft. :-)
  6. zitierenPhips schreibt am 25.08.2009 um 14:38 Uhr:Richtig, das klingt logisch. ;)

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