joensuu - pohjois-karjala - suomi

26.09.2006 um 14:30 Uhr

eine antwort für leo14

die frage war:

habt ihr in finnland kurse nach dem europäischen referenzrahmen, d.h. von A1 bis C2. wonach bestimmen sich die stufen? gibt es einen aufnahmetest? stuft man sich selber ein? gibt es sprachprüfungen? für nicht-finnen verspflichtend - ab einem gewissen zeitraum der anwesenheit in finnland?? - viele fragen, das kann auch langsam beantwortet werden, ich lese sowieso regelmäßig - vielen dank!! allerbeste grüße leo14

 

antwort...

a1 bis c2 gibt es auch.
es gibt aber auch noch ein finnlandeigenes system von 0 - 6, wobei 0 eben keine sprachkenntnisse und 6 muttersprachler bedeutet. es ist ähnlich wie das a1/c2 aber halt nicht ganz deckungsgleich.
es gibt, zumindest hier in joensuu - und jeder verwaltungsbezirk kann da seine eigene methode haben, einen aufnahmetest, damit du dem richtigen sprachkurslevel zugeteilt werden kannst. am ende eines kurses gibt es eine prüfung in leseverständins, hörverständnis, grammatik, wortschatz, schreiben und sprechfähigkeit. dementprechend bekommst du ein zeugnis auf dem deine momentane sprachstufe nach dem 0-6-system bescheinigt wird. (ich lag am anfang dieses - des dritten - kurses so zwischen 1,8 und 2,5)
das ziel ist, am ende des vierten kurses etwa stufe 4 zu erreichen - mehr oder weniger. damit kommt man ganz gut zurecht und könnte zum beispiel zu einem uni-studium auf finnisch zugelassen werden.
jetzt sind aber diese prüfungen am kursende ziemlich wohlwollend benotet. deshalb kann man am ende des vierten kurses einen offiziellen staatlichen test machen, der landesweit gleich ist und von unabhänigen leuten neutral gewertet wird. den sogenannten yki-test. der ist kostenpflichtig und den muß man machen, wenn man die finnische staatbürgerschaft haben will.
einen sprachkurs machen muß man nicht unbedingt. wenn man glück hat und vielleicht irgendwo in der nähe von helsinki, turku oder tampere wohnt, findet man bei einer firma arbeit, deren unternehmenssprache englisch ist oder so. normalerweise wollen die arbeitgeber aber immer, daß man sich auf finnisch verständigen kann - zumindest bei uns in der gegend. (auch wenn man "nur" einen putzjob machen will - man muß zb die dosierungs- und sicherheitsanweisungen auf den putzmittelflaschen verstehen - so lautet die argumentation) solange du arbeit hast und/oder kein geld vom staat willst interessiert es niemand, ob du finnisch sprichst. wenn du arbeitslos gemeldet bist und keine arbeit aufgrund fehlender sprachkenntnisse findest, ist der sprachkurs pflicht, sonst gibts kein geld mehr.
ich hab schon von einigen leuten gehört, die englischsprachig sind, und auch nach zehn jahren in finnland grad mal ein bier im pub bestellen können - und selbst das könnten sie auf englisch machen, wenn sie wollten.
im alltagsleben käme man mit englisch ganz gut zurecht, nur eben die arbeitssuche gestaltet sich dann schwieriger.
ich finde allerdings, daß man die sprache des landes, in dem man wohnt, einigermaßen beherrschen sollte. deshalb streite ich mich auch gerade ständig mit unserer tevi(fröhlisches finnisches arbeitsleben)-dozentin, die jeden sofort in einen (irgendeinen) job vermitteln will, nur damit wir aus der statistik draußen sind. das wir unter umständen genauso schnell den job wieder los sind, eben wegen sprachproblemen, und dann dazu noch probleme mit unserem gesetzlich garantierten integrationsprogramm bekommen könnten (das drei jahre dauern darf), ist in ihren augen nebensächlich - das nervt.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenleo14 schreibt am 26.09.2006 um 20:06 Uhr:superlieb - vielen dank, da ich jetzt noch einen wichtigen termin habe, nur mal schnell bedankt - gelesen und kommentiert später - bis dann. grüße leo14
  2. zitierenleo14 schreibt am 27.09.2006 um 10:10 Uhr:so, jetzt habe ich etwas mehr zeit und kann in ruhe lesen und antworten.
    vielen dank für deine ausführliche und informative antwort (vom tempo ja auch unübertroffen), vielleicht darf ich alles in den nächsten tagen übernehmen (als eintrag) uns selbstverständlich zitieren und verlinken.

    mit soJa habe ich gerade auch bzgl internationaler sprachentag eine sprachdiskussion; wie ja überhaupt die sprachliche integration EU-weit und politisch brisant gerade in aller munde zu sein scheint,
    das hat - wie du schreibts - natürlich enorme ansprüche an die sprachliche integrationswilligkeit der leute (die, wie du sagst, grundsätzlich vorhanden sein sollte), aber eben auch schwierigkeiten. wenn man schnell in eine maßnahme rein - und auch wieder rausgenommen wird, dann steckt ja wohl mehr politische kalkül als interkulturalität dahinter. trotzdem dürfte es meiner meinung nach nicht vorkommen, dass jemand - wo auch immer in der welt - jahrelang nur seine muttersprache spricht und die sprache seines ziellandes völlig ignorieren kann.
    eigentlich müsste man von gesellschaftpolitischer mündigkeit der leute ausgehen, das auch zu wollen. warum es nicht funktioniert, wäre eine interessante fragestellung - hast du da erfahrungen???
    beste grüße
    leo14
  3. zitierenleo14 schreibt am 27.09.2006 um 14:04 Uhr:benutze deinen text für einen eintrag - morgen oder am freitag, habe schon vorbereitet, werde die Grpß-/Kleinschreibung und die ss-Schreibung korrigieren, stilistisch aber nichts verändern, mein kommentar ist nicht dabei. grüße leo14

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