SMILE!

21.04.2007 um 02:13 Uhr

Wet Dog Tea und Squee

Stimmung: squeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee
Musik: Kate Rusby - Sir Eglamore

Warnung: Dieser Eintrag enthält hohe Dosen von Anschmachtungswürdigkeit. Außerdem ist er Centi gewidmet. May the Squee be with you.  

Ja, heute war es dann so weit. Gegen drei mache ich mich auf den Weg nach Morecambe. „So kann ich noch ein bisschen die Stadt angucken, bevor das Konzert losgeht.“ Zweieinhalb Stunden später in eben jener Stadt 

Morecambe

notiere ich diese Gedanken: „Juhu. Es ist halb sechs und in Morecambe wurden soeben die Bürgersteige hochgeklappt. Im Einkaufszentrum sind bis auf ein oder zwei Unermüdliche alle Läden verrammelt und verriegelt und die Bücherei, in die ich mich gerade flüchten wollte, um noch ein bisschen Wärme zu tanken und zu sitzen, hat schon seit fünf zu. Yay me. Das Konzert geht um halb acht los, also kann ich da wohl kaum vor um sieben auftauchen. Tja, dann geh ich wohl mal die Strandpromenade lang. Und dann noch mal. Und noch mal. Was tut man nicht alles für ein Konzert von Kate Rusby. Und – hoffentlich isses rechtzeitig zu Ende. 22:35 fährt der letzte Bus. Gnah. Ich will ein Auto. Obwohl – lieber nicht. Ich und Linksverkehr…“
An dieser Stelle breche ich ab, weil mich ein einsamer Passant skeptisch anguckt. Und gehe los. Allerdings doch nicht die Strandpromenade runter, sondern zu Burgerking, weil ich langsam Hunger habe. Noch etwas später stehe ich dann auf Morcambes Strandpromenade und sehe einen wunderbaren Sonnenuntergang (okay, nicht wirklich Untergang, aber es sieht schön aus) 

Sonne

 

Und dann ist es irgendwann endlich so weit. Kate Rusby betritt in schwarzem Kleid und mit vierköpfiger Band die Bühne und singt als erstes etwas mir völlig Unbekanntes, dessen Titel sie später erwähnt, den ich aber nicht verstehe. [Edit: Nächtliches Googeln ergibt, dass es sich um „Playing of Ball“ gehandelt haben muss.] Schön klingt es trotzdem, aber irgendwie sieht sie so verspannt aus. Geht es ihr nicht gut? Die letzten zwei Konzerte waren ja abgesagt… Und tatsächlich, schon entschuldigt sie sich vorträglich für Krächzen und Husten, sie hätte sich eine Halsentzündung eingefangen und trinke jetzt auf der Bühne „tea that tastes of wet dogs but is supposed to be good for your throat“. Na denn Gute Besserung! Da habe ich offensichtlich Glück gehabt, dass das Konzert überhaupt stattfindet.

Als nächstes singt sie dann für uns „Mary Blaize“ und beginnt ein bisschen zu erzählen. Mit einem wunderbaren Humor und mitreißendem Lachen und überhaupt the power of squee. Schriftlich leider nicht wieder zu geben. Das Eis bricht endgültig, als sie nach noch recht zögerlichen Publikumsreaktionen fragt, ob wir ihren Akzent nicht verstehen. lach (Erklärung: Sie kommt aus Barnsley, was zwar ca. 150 km weit weg ist, aber offenbar einen ziemlich ähnlichen Dialekt / Akzent hat wie „meine“ Gegend.) Als nächstes singt sie dann jedenfalls „Cruel“, von dem sie vorher erzählt, dass es im Original geschätzte 185 Strophen hat. Leider (Fröhlich) spielt sie nur fünf oder sechs. Es folgt „No Names“ und endlich erfahre ich, warum es so heißt: Weil alle Namen, die der Band einfielen, schon vergeben waren. Seitdem macht sich die gute Kate jetzt sorgen, dass die Lieder ihrer nächsten CD nur noch Nummern haben werden.  Mir wär’s egal, wenn die so toll klingen wie die bisherigen können sie von mir aus nach gälischen Schimpfwörtern benannt werden. Hach. Offensichtlich ist diese Sorge aber ohnehin unbegründet, denn als nächstes singt Kate Rusby ein neues Lied, das dann doch einen Namen hat. Den habe ich leider vergessen, aber in dem Song geht es um einen Jungen, der versucht, ein Mädchen namens Annie dadurch zu erobern, dass er ihr ein Tier nach dem anderen schenkt. Die sie grausamerweise alle umbringt, weil sie den Kerl nicht ausstehen kann. Kates Kommentar: "Don't worry, no animal will be hurt during the singing of this song."

Nach diesem Lied verlässt Kate eine Weile die Bühne (war der viele Hustentee wohl etwas zu viel? *g*) und überlässt uns der Band, uns zu unterhalten. Was sie dann mit Anekdoten, Sticheleien und Gefiddle auch großartig tut. Anschließend singt Kate vor der Pause noch „Daughter of Megan“ und „Drowned Lovers“. Bisher kannte ich nur ein Lied, nämlich „No Names“, aber die ganzen für mich neuen waren klasse. Logische Folge ist, dass ich in der Pause vor dem Verkaufsstand stehe und schmachte. Und hin und her überlege. Soll ich mir eine CD kaufen? Aber welche? Oder doch die DVD, um auch noch den Humor dabei zu haben? Oder vielleicht das Songbook? Ich wollte doch im Sommer anfangen, Gitarre zu lernen… Schließlich ringe ich mich durch und entscheide mich für „Hourglass“ und einen Button.

Nach der Pause kommt Kate – wie vorher angkündigt – im frisch reparierten roten Kleid wieder auf die Bühne und singt als nächstes völlig ohne Band „Underneath the Stars“. Ich schmelze mal wieder dahin. Als die Band dann wieder da ist, folgen dann „Elfin Knight", „Falling“ und anschließend „Let me be“, von denen ich vor allem das zweite wunderschön finde. Nachdem ich inzwischen mehrfach Blitzlichter gesehen habe, obwohl doch angeblich Kameras und Fotoapparate verboten sind, bin ich jetzt auch so frech, zu fotografieren. Beim Blitzen habe ich dann aber doch ein schlechtes Gewissen und traue mich nur einmal, weshalb nur dieses eine Bild wirklich scharf ist. (Zum Vergleich mal eins ohne und eins mit Blitz:) 

Band

Kate



Es folgt noch einmal eine Phase, in der „nur“ die Band spielt und die Stimmung nach den eher ruhigen Momenten noch mal kräftig anheizt. Kates folgende Lieder machen dann gleich da weiter, wo die Band aufgehört hat, sie singt „The Good Man“ – angeblich das Lieblingslied ihres Hundes „Doris“, wie sie uns erzählt – und „Sir Eglamore“. Ich habe Mühe, sitzen zu bleiben, und wippe mehr oder minder rhythmisch mit. (Mein Beileid an meine Sitznachbarin.) Wie angekündigt, ist das Konzert nach diesen Stücken vorbei, aber – ebenfalls wie angekündigt Fröhlich – Kate und die Jungs lassen sich noch eine Zugabe entlocken. „Kanaans Land“, laut Kate das Lied mit dem „best hippie chorus ever“, den wir wieder mitsingen sollen. Das tut die gefühlte Mehrheit des Publikums dann auch begeistert. Zu einer zweiten Zugabe lässt sie sich dann leider nicht mehr auf die Bühne locken, aber übel nehmen kann ich es ihr nicht. Es ist sowieso schon bewundernswert, dass sie mit der Erkältung das Konzert durchgehalten hat.

Tja, und dann stehe ich gegen zehn Uhr draußen und habe noch eine halbe Stunde, bis mein Bus fährt. Laaangweilig. Ich gehe die Strandpromenade zwei Haltestellen vor und eine wieder zurück und sitze dann trotzdem noch zehn Minuten rum. Merke: In einer leicht heruntergekommenen Kleinstadt nachts gegen halb elf an der Ausfallstraße zu sitzen und auf den Bus zu erwarten, ist eindeutig unschön. Dann habe ich aber Glück und es kommt nicht nur der Bus, nein, in Lancaster bekomme ich am Busbahnhof sogar noch einen Richtung Uni, obwohl der laut Plan nur während der Vorlesungszeit fährt. Die übermorgen anfängt. Ja denn. So, und jetzt sitze ich hier, höre „Hourglass“ und trinke Gute-Nacht-Tee, um langsam runter zu kommen. Und langsam werde ich tatsächlich müde. Dann werd ich mal. Um es mit Kate Rusby (genau gesagt, mit „Sho Heen“) zu sagen:  

Sleep my friend now I’ll watch o’er you
The moon is here ad the stars adore you
Close your eyes and you’ll sleep tonight
Oh my blessed angel, here again, goodnight.


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