Musik: "Plume" - The Smashing Pumpkins
Die neue
Visions ist da! Und was lese ich da? Es gibt Hoffnung für dieses Jahr! Ein Fragment des neuen
Mars Volta Album "Frances The Mute" ist bereits auf deren
Website
zu hören, und auch wenn mich "The Widow" noch nicht so ganz überzeugt,
soll das Album als solches ja bestens sein. Auch erste Eindrücke vom
diesjährigen
System of a Down Doppelschlag scheinen bislang ganz gut anzukommen. Zudem gibt es drei Kurznachrichten zu den Ex-Pumpkins-Mitgliedern.
ABER: Im System Of A Down-Bericht (Ausgabe Nr. 143, S. 8) äußert sich
der Visions-Redakteur Patrick Großmann darüber, dass der "US-Postille
'Alternative Press' im Rahmen ihrer Januar-Ausgabe ("Die am
dringendsten erwarteten CDs im Jahr 2005") [die kommenden System
Of A Down-Veröffentlichungen] noch nicht einmal mehr eine Fußnote Wert"
seien... gleichzeitig suche ich aber sowohl in der Print- als auch in
der Online-Ausgabe vergebens nach einer kurzen Nachricht über den
Veröffentlichungstermin des Solo-Albums von
Billy Corgan. Bin ich zu blind dafür, oder schreiben die das tatsächlich nicht?
Und wenn sie es nicht schreiben, warum? Ist er mit 35 zu alt für die
Zeitschrift, muss er erst auf der Bühne erschossen werden, damit
darüber wieder geschrieben wird? Ist er seit seiner letzten
(zugegebenermaßen etwas verunfallten [nicht schlechten, aber meiner
Meinung nach für sein sonstiges Niveau nicht wirklich
konkurrenzfähigen]) Band nicht mehr cool genug? Muss man jetzt entweder
missverstandene Rock'n'Roll-Synthese aus Skandinavien sein, oder Tag
und Nacht ein "I hate Mr. Bush"-T-Shirt tragen?
Was zur Hölle passiert mit Zeitschriften, die eigentlich für sich in
Anspruch nehmen, gerade nciht nur die Trends und Hypes zu bedienen?
Gutes Beispiel ist auch das aktuelle Cover: Eigentlich ein schönes
Cover, und es ist ja auch in Ordnung, dass es wieder Conor Oberst ist,
und wieder eine
Bright Eyes Titelstory. Aber warum muss die
halbe Redaktion auch in den sonstigen Ausgaben, die zwischen den
Lebenszeichen der Band ins Land ziehen, bei jeder beschissenen
unpassenden Gelegenheit auf das Genie und diese "geniale, kreative
Introvertiertheit" hingewiesen werden? Fällt das jetzt unter das
Konzept des "Edlen Wilden"?
Übrigens: Es gibt eine Nachricht zu Billy Corgan: Courtney Love entstaubt ihre geschmacksverirrte Massenvernichtungswaffe
Hole,
und will dafür aber nur noch die Texte schreiben (was vermutlich besser
so ist... aber ist ja Geschmackssache..). Als musikalische
Unterstützung hat sie sich auch Billy Corgan mit an Bord geholt. Das
als Kurznachricht zu schreiben, ist ja richtig, und es ist auch klar,
dass man darauf hinweist, dass Billy Corgan für die
Hole-CD
"Celebrity Skin" schon als Produzent (und so...) mit dabei war. Ebenso
ist es journalistisch natürlich unabdingbar mitzuteilen, dass sich die
beiden damals schwer zerstritten hatten, noch vor Fertigstellung des
Albums (nachdem, was man von Corgan und Love unabhängig voneinander so
alles hört [wobei man auch hier mal gezielte Textkritik an den Medien
vollziehen sollte], war das auch kein Wunder...). Ob der Satz "Als
legendär gilt Corgans Äußerung, Love sei eine 'Drama Queen'" dann noch
notwendig war, sei mal dahingestellt, aber wenn solche Geschichten
wieder ausgegraben werden, warum kriegt es dann keiner dort auf die
Reihe, sich mal dem aktuell bevorstehenden Veröffentlichungstermin von
Corgans Solo-CD zu widmen? Wenigstens kurz...
Naja, im Verlauf meine Visions-Abos, das nun auch schon einige Jahre
besteht, habe ich mich schon über einige achen aufgeregt, die wirklich
heftig waren, diese Kleinigkeit ist eigentlich nur ein Detail, was mich
persönlich interessieren würde, aber egal...
Viel schlimmer finde ich, dass immer mehr Berichte das Ego-Gewichse
einiger Autoren enthalten. Ich persönlich übergehe mittlerweile
eigentlich immer die Plattenkritiken, weil sie mir rein gar nichts
bringen, und die größten Aufreger unter Garantie im nächsten Heft bei
den Leserbriefen zu finden sind (die meistens über ein "du hast
geschrieben, die sind scheiße, aber stimmt ja gar nicht, die sind gut"
hinauskommen, und damit die vorlagegebenden Plattenkritiken noch im
Niveau unterbieten). Aber nun meinen scheinbar einige Redakteure, ihre
ureigenste Meinung auch in den "normalen" Berichten unterbringen zu
müssen. Da werden Bands runtergemacht, weil sie zu "arty" wären, im
selben Atemzug zwei Seiten wieter wird dann eine Band für das selbe
Phänomen gelobt ("die sind halt noch 'real' und Old School)...
Metallica
sind zum Beispiel so ein Phänomen. Ich persönlich mag die nicht, ein
paar von den ganz alten Sachen sind OK, und die (re)LOAD-Zeit war auch
nicht immer schlecht ("wahre" Fans mögen mich dafür hassen...). Aber
wenn die Visions schreibt, dass es gut ist, dass sie das machen, was
sie früher gemacht haben, dann kann ich damit leben, denn viele Bands
müssen sich nicht immer neu erfinden, wenn die auf ihrer Schiene die
Musikwünsche ihrer Fans abdecken, dann ist das ja in Ordnung.
Komischerweise sieht die Visions das aber bei Metallica so, bei anderen
Bands wiederum völlig anders. Wenn die sich nicht mit jedem Album neu
definieren, dann hagelt es das Musik-Redakteur Klischee-Vokabular von
"Stagnation", "fehlender Inspiration" oder "nicht reifer geworden
sein". Und das nicht in den Plattenkritiken, sondern in Berichten zu
Bandneuigkeiten. Da sollte man schreiben, dass sich der Stil nicht
weiterentwickelt hat, aber nicht gleich eine ganze Band abschreiben.
Aber OK... man merkt sich die Redakteure und liest deren artikel eben
nicht mehr...