Ich versuche momentan, dem kürzlichen Dateiverlust etwas ernsthaft
Gutes abzugewinnen, und es scheint so, als hätte ich es gerade
geschafft! Wir haben einige unserer Lieder bereits in dritter oder
vierter Version aufgenommen, und jedesmal verfeinert, meiner Meinung
nach gab es eigentlich mit jeder Aufnahme noch eine Verbesserung.
Also sollte die momentane Aufgabe, fast alles nochmal neu aufnehmen zu
müssen, ein großes Potenzial für unsere Musik sein. Ich denke zwar
nicht, dass diese Rechnung bei allen Liedern aufgeht, aber bei den
ersten beiden ("Stalking Landscape" und "Routine") hat es funktioniert!
Bei ersterem gefiel mir in der bisherigen Version eigentlich keine der
verwendeten Modulationen (außer der Bass, aber der war auch mehr oder
weniger Standard). Ich habe es jetzt mit anderen versucht, und ich
denke, es ist besser geworden.
Aber der eigentliche Fortschritt ist bei Routine eingetreten. Dass das
Lied überhaupt unter denen gelandet ist, die auf die CD sollen,
verdankt es wohl ausschließlich der grundlegenden Idee, denn die
sonstige Instrumentierung und Vielfalt ist bislang eher spartanisch.
Wir hatten zudem das Problem, dass sich das Lied aus drei komplett
verschiedenen Teilen zusammensetzt, wobei der erste im Dreiviertel- die
anderen im Viervierteltakt sind. Die Überleitung zwischen den
taktverschiedenen Teilen hielt bislang nur so grade Decke und Schwert,
bestand eigentlich nur aus einer eher dürftigen Obertonstimme. Zuletzt
haben wir noch einen anderen Part mit reingenommen, das war etwas
besser, klang aber immer noch ziemlich aneinandergesetzt. Zudem wirkte
der Part wie ein schlecht vernähter Flicken, er kam unpassend ins Lied
rein, besorgte mal schnell den Übergang und war wieder weg.
Genauso war es auch mit dem Intro, das wiederum mit dem Schlussakkord
von "Nathanael" verknüpft war, also wieder einen Taktwechsel beinhalten
musste. Ich wollte mich heute noch nicht komplett an "Routine" setzen,
weil dieses Lied und die Aufnahmen dazu aus genannten Gründen immer mit
einem Trekking-Rucksack voll steiniger Wege daherkommen, also kasperte
ich nur mal etwas mit der Überleitung ins Intro herum. Dabei habe ich
das grundlegende Übergangsriff, das bislang relativ zusammenhangaslos
in den Dreivierteltakt wechselte und Berge von Unzufriedenheit mit sich
trug, irgendwann mehr oder weniger zufällig so gespielt, dass es zum
perfekten Übergang wurde.
Um das zu erläutern muss ich für ein paar Sätze theoretisch werden: Das
Riff setzt sich eigentlich aus vier Akkordschlägen zusammen, die
allerdings zerlegt gespielt werden, und zwar aus Em | Em | Em | C
(wobei das dritte Em genausogut ein C-Dur sein könnte (wie es auch beim
Intro von "Nathanael" gespielt wird), das spielt aber hier keine
Rolle). Bislang habe ich auf jeden Akkordschlag eine Zerlegung
gespielt. Jeder Akkord in vier gedachten Taktschlägen, also insgesamt
16 Taktschläge, 12 mal Em und 4 mal C. Das Muster der Anschläge sah
dann so aus:
x x x x ° x x x ° x x x x x x x (x=Anschlag, gleich ausgelassener Taktschlag).
Für Routine musste ich dann in einen Teil wechseln, der folgende Akkordfolge hat:
Em | Em | Am | Am | G | F# | Em | Em
Allerdings im Dreivierteltakt. Die beiden E-Molls am Anfang haben dabei
die selbe länge wie die drei E-Molls am Anfang des Ausgangsriffs. Also
spielte ich beim Ausgangsriff wie zuvor, nur die drei Em im
Anschlagmuster (quasi ein "Synthetischer Dreivierteltakt") wie beim
Zielriff von "Routine". Also sah das Anschlagmuster dann so aus:
x x x x ° ° x x x x ° ° x x x x (wobei die letzten 4 Anschläge wie gehabt der C-Akkord sind.)
Damit hat das Riff dieselbe Länge wie vorher, sind aber im Grunde keine
vier 4/4-Takte mehr, sondern vier 3/4-Takte und ein 4/4-Takt. (wenn ich
mich nicht verzählt habe, müsste beides auf sechzehn Taktschläge
rauslaufen).
Die zwei neuen darüber gespielten Melodien folgten aber parallel einem stringenten 4/4-Takt.
Nachdem das einige Male durchgelaufen ist, wechselt das Grundriff dann
in den Routine-Part, eine der ergänzenden Melodien spielt über die
insgesamt 48 Schläge des Routine-Riffs aber weiterhin anstatt jeweils
zwei 3/4-Takte immer im wechsel einen 4/4-Takt und einen 2/4-Takt, die
andere Stimme wechselt direkt in einen 3/4-Takt, was aber relativ egal
ist, da diese vom Rhytmus her anders ist und insgesamt etwas taktfreier
spielt. "Routine" baut im ersten Teil stark auf den stringenten
3/4-Takt-Basslauf, der dann nach diesem Wechsel mit einsetzt.
In der Theorie klingt das jetzt (soweit es überhaupt nachvollziehbar
war) alles ganz nett, aber ich habe es eingespielt und einige Male
durchgehört.
FAZIT: Es ist ein sehr guter Übergang (sorry, Eigenlob muss manchmal
sein). Während man vorher geradezu drauf gestoßen wurde, dass hier
jetzt ein Taktwechsel stattgefunden hat, ist dieser nun so schleichend
und verschleiert, dass man ihn nicht hört, wenn man nicht drauf achtet
(behaupte ich mal, sobald ich dazu komme, stelle ich diesen Übergang
mal als Hörprobe ins Netz, dann können auch andere urteilen).
Und das beste ist: Diese drei Gitarrenstimmen passen gegen Ende des
ersten Teils ebenso schleichend als Aufbau zum Zurückwechseln in den
4/4-Takt, wodurch einerseits das Problem des Taktwechsels endgültig
gelöst ist, und gleichzeitig auch das Problem, dass der erste Teil von
"Routine" bislang etwas dünn und farblos klang, und dass der Aufbau
fehlte, bzw. nur rudimentär vorhanden war.
Irgendwie kommt mir aber dieses rumgewerkel, bis es endlich passt
bekannt vor... Als Kind hatte ich so eine Holzeisenbahn, mit den
Schienen und verschiedenen Kurven musste man auch ewig rumtüfteln, bis
es passte und der Schienenkreis geschlossen war. Aber das nur
nebenbei...
sjÁlfur